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Übergewichtige leben länger

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Dr. med. habil. Johannes Georg Wechsler am 12. April 2010.

Adipositas verbessert Lebenserwartung

Wundersames in der Intensivmedizin

Professor Dr. med. Dr. med. habil. Johannes Georg Wechsler Zweifelsohne sind bergewicht und Adipositas mit erhhter Komorbiditt wie arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus, Hyperlipidmie und Folgekrankheiten wie Herzinfarkt und Schlaganfall assoziiert. Darber hinaus besteht eine enge Beziehung zwischen Adipositas und gehufter Krebserkrankung, gehuften pulmonalen Erkrankungen, hufigeren gynkologischen Erkrankungen und dem Schlafapnoesyndrom. Die Lebensqualitt sinkt mit Zunahme des Krpergewichts. Es bestehen also keine Zweifel an der hohen Komorbiditt von bergewicht und Adipositas. Zahlreiche Studien belegen auch eine reduzierte Lebenserwartung.

Umso berraschender sind Daten, dass Adipse unter bestimmten Bedingungen bessere berlebenschancen aufweisen als Normal- oder Untergewichtige. Dies wird als Adipositas-Paradoxon bezeichnet, weil es vordergrndig nicht erklrbar ist. Richtig ist, dass Adipse bei schwerwiegenden Eingriffen wie der Bypass-Chirurgie oder bei Operationen im gastrointestinalen Bereich der Onkologie peri-, intra- und postoperativ (vor, whrend und nach der OP, Anm. d. Red.) bessere berlebenschancen haben. Verschiedene Faktoren knnen diskutiert werden, um dieses Paradoxon zu erklren. So ist in erster Linie peri-, intra- und postoperativ aufgrund der bekannten Risiken eine hhere Aktivitt, Vorsorge und Vigilanz des OP-Teams und der peri-operativen berwachungssysteme festzustellen. Die moderne Medizin ist heute in der Lage, auch Hochrisikopatienten perioperativ sowohl im OP als auch auf der Intensivstation hervorragend zu betreuen.

Ein weiterer Aspekt ist mglicherweise doch die erhhte Reservekapazitt nach schwerem Trauma im Postaggressionsstoffwechsel. Der Adipse hat entscheidende Energiereserven im Gegensatz zum Normal- oder Untergewichtigen. Die Bedeutung der postoperativen Ernhrung und Vermeidung einer Katabolie ist fr eine adquate Immunantwort notwendig.

Aus zahlreichen Studien der Ernhrungsforschung ist bekannt, dass die parenterale Ernhrung nicht in der Lage ist eine adquate Immunitt zu gewhrleisten. Insofern ist bei fehlender Mglichkeit einer enteralen Ernhrung der Adipse im Vorteil. Mglicherweise spiegeln sich diese metabolischen und Energieaspekte in besseren berlebenschancen Adipser wider.

Kritisch anzumerken ist, dass die vorliegenden Studien lngerfristig die Prognose adipser Patienten noch nicht bercksichtigen. Solange muss Adipositas weiterhin als Risikofaktor betrachtet werden, der mit einer erhhten Komorbiditt und einer erhhten Sterblichkeit einhergeht.

Professor Dr. med. Dr. med. habil. Johannes Georg Wechsler, Chefarzt der Abteilung fr Innere Medizin und Leiter des Zentrums fr Ernhrungsmedizin und Prvention (ZEP) am Krankenhaus Barmherzige Brder, Mnchen, im Rahmen der Pressekonferenz zum 116. Kongress der Deutschen Gesellschaft fr Innere Medizin. (Es gilt das gesprochene Wort!)

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Dr. med. habil. Johannes Georg Wechsler
Bildquelle: Deutsche Gesellschaft fr Innere Medizin (DGIM)

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zuletzt bearbeitet: 12.04.2010 nach oben

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