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Adipositas - Neue Wege in Forschung und Therapie

Forschungsnetz bietet neue Möglichkeiten für Forschung und praktische Anwendung

In Deutschland leiden rund 16 Millionen Menschen an krankhaftem bergewicht. Ernhrungsbedingte Erkrankungen verursachen jhrlich etwa 70 Milliarden EURO (im Jahr 2004) an Kosten fr das Gesundheitswesen. Die WHO hat bereits vor vielen Jahren festgestellt: "Adipositas ist eine chronische Erkrankung", doch diese Auffassung hat nicht berall Konsequenzen gefunden.

In Deutschland wurde Adipositas von Behrden und Krankenkassen bislang nicht als Krankheit anerkannt, sondern allenfalls als Risikofaktor fr die Entstehung von Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus und Leberverfettung. "Dies hat nicht nur Nachteile fr die Betroffenen erbracht, sondern auch fr die Forschung, denn bislang wurde Adipositas nicht explizit im Rahmen klinischer Forschung untersttzt," sagte Prof. Dr. Stephan C. Bischoff, Direktor des Instituts fr Ernhrungsmedizin Universitt Hohenheim in Stuttgart, anlsslich der "Ernhrung 2010" in Leipzig. Dies habe sich mit dem Klinischen Kompetenznetzwerk Adipositas zum Positiven hin gendert.

Das Bundesministerium fr Bildung und Forschung (BMBF) frdert seit 2008 acht ausgewhlte Forschungsverbnde in Deutschland, die gezielt Adipositasforschung betreiben. Daraus ist ein neues Kompetenznetz Adipositas in Deutschland entstanden. Das Forschungsprojekt ist auf zwlf Jahre angelegt und wird in der Anschubphase mit zehn Millionen Euro gefrdert.

Dazu gehrt unter anderem der Forschungsverbund "Obesity and the Gastrointestinal Tract" (OGIT). "Das Essverhalten wird ber das Gehirn und durch Hormone gesteuert und beeinflusst dadurch den Aufbau von Fettgewebe. Es gibt jedoch Hinweise, dass auch der Magen-Darm-Trakt an der Steuerung der Gewichtszunahme beteiligt ist", sagt Prof. Bischoff, der Sprecher des OGIT ist. Neben Appetitzglern, die das Essverhalten ber das Gehirn bremsen sollen, knne eine zuknftige Generation von Medikamenten auch ber den Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinaltrakt) wirken. Dies ist jedoch noch in der Erforschung und bis zu praktischen Anwendung ist es noch ein weiter Weg.

In dem Projekt werden neben der Grundlagenforschung auch Therapieverbesserungen entwickelt und Patienten direkt mit einbezogen. Ziel des Forschungsverbundes ist, die Rolle des Magen-Darm-Traktes fr die Entstehung und Behandlung von Adipositas durch in-vitro- und in-vivo-Anstze mit geeigneten Tiermodellen zu untersuchen. Ebenso sollen die gewonnenen Erkenntnisse auf den adipsen Menschen bertragen werden, indem definierte Interventionen zur Gewichtsreduktion ("Very-low-Calorie-Diet" basierende Programme beziehungsweise bariatrische Chirurgie - Eingriffe zur Erleichterung einer Gewichtsreduktion) beim Menschen eingesetzt werden.

Insbesondere soll geklrt werden, ob der Magen-Darm-Trakt ein neues Zielorgan fr zuknftige Interventionen sein knnte, ob pathophysiologische (krankhaft vernderte Krperfunktionen) Vernderungen im Gastrointestinaltrakt bisherige ditetische Anstze oder chirurgische Strategien modifizieren knnten. Erkenntnisse zum Zusammenhang zwischen Adipositas und Gastrointestinaltrakt knnten somit sehr ntzlich fr zuknftige Management-Strategien zur Prvention oder Behandlung von Adipositas sein.

Operative Verfahren sorgen fr Gewichtsverlust

Insbesondere die chirurgischen Verfahren bei krankhaftem bergewicht haben sich wesentlich weiterentwickelt und konnten ihre Effektivitt auf hohem Niveau belegen. Eine neuere Entwicklung ist der "Gastric Sleeve", bei dem die Darmanatomie unverndert bleibt, aber der Magen zu einem Schlauch verkleinert wird, so dass er weniger resorbiert und insbesondere weniger appetitfrdernde Hormone freisetzt.

Mit dem sogenannten "Gastric Bypass" knnen stark bergewichtige Menschen zum Beispiel bis zu 50 Prozent ihres Gewichtes verlieren. Bei dieser Methode wird operativ eine Umleitung des Darmes umgesetzt. Es entsteht zunchst ein kleiner Restmagen, der keine Verbindung mehr zum ursprnglichen Magenausgang besitzt und an die Dnndarmwand angeschlossen wird. Der Zwlffingerdarm wird somit umgangen. Die Nahrung passiert nach der Speiserhre den kleinen neugebildeten Magen und fliet direkt in den Dnndarm. Diese Vernderung der Anatomie fhrt dann zu dem gewollten Gewichtsverlust.

Bei konservativen Therapieverfahren ist zum Beispiel das Optifast-Programm eine sinnvolle Hilfe fr Menschen mit krankhaftem bergewicht. Das Programm ist ein einjhriges, medizinisch und psychologisch begleitetes Programm zur Gewichtsreduktion und zum dauerhaften Halten des Gewichts. In der sogenannten Fastenphase besteht die Nahrung aus einer Formula-Dit (Fertigprodukte). Das ambulante Therapieprogramm wird in rund 40 Zentren in Deutschland und sterreich angeboten.

zuletzt bearbeitet: 21.06.2010 nach oben

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