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Warum der Zahnarzt bei Diabetikern auch den Blutzucker beobachten sollte

Parodontitis und Diabetes beeinflussen sich gegenseitig

Je früher diese Erkrankungen erkannt werden, umso besser die Behandlungsmöglichkeiten

Zwischen Diabetes und Parodontitis gibt es Wechselwirkungen. Bei beiden Krankheiten handelt es sich um chronische systemische Volkskrankheiten. Beide entwickeln sich schleichend, wobei oft Symptome fehlen. Deshalb fallen die Erkrankungen kaum auf. Sie sind auch mit hohen Behandlungskosten verbunden. Nicht zuletzt, weil zum Zeitpunkt der Diagnose aus leichten Beschwerden bereits schwere Flle geworden sind.

Je frher aber diagnostiziert wird, umso grer die Chancen, die schwerwiegenden Folgen dieser entzndlichen Erkrankungen zu verhindern bzw. zu mindern. Deshalb sind die Deutsche Gesellschaft fr Parodontologie (DGP) und die Deutsche Diabetes Gesellschaf (DDG) dabei, Leitlinien fr eine frhzeitige und disziplinbergreifende Diagnostik und Behandlung zu entwickeln. Darin sind konkrete Empfehlungen fr ein abgestimmtes Vorgehen unter behandelnden rzten enthalten. Bislang wird noch zu wenig ber die Grenzen der eigenen Fachdisziplin geschaut.

In Deutschland gibt es 20 Millionen Patienten mit behandlungsbedrftigen Parodontalerkrankungen, davon 8 Millionen schwere Flle. Aber nur ein kleiner Teil davon wird umfassend behandelt. Da Parodontitis und Diabetes mellitus in einer Wechselbeziehung stehen, verschlimmert Diabetes Parodontitis und Parodontitis befeuert Diabetes. "Parodontitis verschlechtert die Einstellung des Blutzuckerspiegels. Umgekehrt wirkt sich eine unzureichende Blutzuckereinstellung negativ auf parodontale Erkrankungen aus. Diabetes begnstigt Parodontitis: 3-fach hheres Risiko; doppelt so hufiger Zahnverlust im Vergleich zu Stoffwechselgesunden", so Prof. Thomas Kocher, Vorstand der Deutschen Gesellschaft fr Parodontologie.

Durch Prvention und rechtzeitige Therapie knnen Entzndungsprozesse, Insulinresistenz und daraus resultierende Probleme aufgehalten werden. Doch in der tglichen Praxis werden die Krankheitsbilder isoliert betrachtet.

Dabei wre es einfach, wenn der Zahnarzt, zu dem die Patienten regelmig kommen, auch auf Hinweise fr einen sich entwickelnden Typ-2-Diabetes achten wrde. Bei Parodontitis und Diabetes Typ 2 handelt es sich um hnliche Entzndungsprozesse. Circa 7 Prozent der Menschen in Deutschland leiden an einem diagnostizierten Diabetes mellitus. Tendenz steigend. Schtzungen gehen davon aus, dass aber auch beim Diabetes nur hchstens die Hlfte erkannt und behandelt wird. Als Risikofaktoren gelten auch Bewegungsmangel und bergewicht.

Frherkennung der Diabetes im Rahmen der Zahnvorsorge

ber 90 Prozent der 20- bis 70-jhrigen Deutschen geht im Schnitt zweimal im Jahr zum Zahnarzt. Das ist eine gute Mglichkeit, groe Teile der Bevlkerung zu untersuchen. Zahnrzte knnten in ihrer Praxis Blutzuckerkontrollen durchfhren und Risikoprofile erstellen. Bei Verdacht auf Diabetes sollten sie den Patienten zum Hausarzt schicken. So liee sich diese chronische Strung des Zuckerstoffwechsels frhzeitig erkennen, bevor Herz- und Gefereignisse auftreten. Zudem ist geschultes Hilfspersonal in den Zahnarztpraxen vorhanden, das die Patienten regelmig anweisen knnte, Risikofaktoren zu minimieren und sich gesundheitsbewusster zu verhalten: ausgewogene Ernhrung, mehr Bewegung, kein Nikotin und wenig Alkohol.

Auch wirtschaftlich sinnvoll

Von den anfallenden Behandlungskosten bei Diabetes (ca. 48 Mrd. Euro jhrlich) gehen drei Viertel zu Lasten der mit Diabetes verbundenen Gefprobleme, allen voran die Kostentreiber Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenversagen. "Als Stoffwechselpatient mit Parodontitis steigt das Risiko fr diese Komplikationen massiv", so der Bad Oeynhausener Diabetologe Prof. Diethelm Tschpe. Die Sterblichkeit aufgrund der diabetischen Nephropathie (Nierenschdigung) ist gegenber parodontal gesunden Diabetikern 9-fach hher. Und Diabetiker mit schwerer Parodontitis sterben doppelt so hufig infolge von dadurch ausgelsten Herzkrankheiten.

Die Parodontalbehandlungen selbst sind technisch nicht anspruchsvoll und auch nicht teuer. Sie knnen sich aber positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirken. Eine zahnerhaltende Parodontalbehandlung ber 10 Jahre kostet nur 200 Euro pro Zahn, gegenber 2.000 Euro fr Zahnersatz, Brcke oder Implantat.

"Wir mssen das Bewusstsein fr diese Zusammenhnge von Mund- und Allgemeingesundheit in der Zahnrzte- und rzteschaft sowie der Gesamtbevlkerung strken. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt, Arzt und Patient kann vorbeugen und Leiden lindern. Davon profitieren die Patienten und das Gesundheitssystem", appelliert der Prsident der Deutschen Gesellschaft fr Parodontologie, Prof. Peter Eickholz.

Gesellschaft

Die Deutsche Gesellschaft fr Parodontologie e.V. (DGP) nimmt wissenschaftliche und fachliche Aufgaben auf dem Gebiet der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, insbesondere der Parodontologie wahr. Fr ihre fast 4.400 Mitglieder sowie zahnrztliche Organisationen ist sie seit nahezu 90 Jahren beratend und untersttzend in parodontologischen Fragen ttig. Zu den Aufgaben der DGP gehrt u. a. die Frderung der Forschung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Auswertung, Verbreitung und Vertretung der wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Wesentliche Ttigkeitsschwerpunkte neben der Durchfhrung von wissenschaftlichen Tagungen, sind die Fort- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Parodontologie sowie die Ausrichtung entsprechender Veranstaltungen. Zudem vergibt die Gesellschaft jhrlich Wissenschaftspreise wie den Eugen-Frhlich-Preis. Die DGP arbeitet, auch interdisziplinr, intensiv mit wissenschaftlichen Gesellschaften, Arbeitsgemeinschaften und Institutionen des In- und Auslandes zusammen. Sie verfolgt ausschlielich und unmittelbar gemeinntzige Zwecke.

zuletzt bearbeitet: 18.01.2013 nach oben

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