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Darmflora, Typ-2-Diabetes und Herzerkrankungen

Pressemitteilung: Universität Leipzig

Der Darm als Spiegel der Stoffwechsel- und Herzgesundheit?

Das Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen beteiligt sich ab 2013 an dem neuen, internationalen Forschungsprojekt METACARDIS. Darin erforscht ein Konsortium von 14 Forschungszentren und -unternehmen aus Frankreich, Deutschland, England, Dnemark, Schweden und Belgien wie die menschliche Darmflora mit Herz- und Stoffwechselerkrankungen zusammenhngt.

In der Forschung gibt es bislang keine tiefer gehenden Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen Darmflora (Mikrobiom) und Herz- oder Stoffwechselerkrankung. Es wird aber immer deutlicher, dass die sehr groe Zahl von Bakterien in unserem Darm eine grere Bedeutung fr die kardiometabolische Gesundheit hat, als bisher angenommen. Mit 12 Millionen Euro frdert die Europische Union das ber fnf Jahre angelegte multizentrische Forschungsprojekt METACARDIS (Meta-enomics and Integrative Systems Medicine of Cardiometabolic Diseases).

Darmflora unter der Lupe

Durch klinische und experimentelle Studien untersuchen die Forscher im METACARDIS-Projekt, wie sich die Darmflora bei Studienteilnehmern mit unterschiedlichen Graden metabolischer und kardiologischer Erkrankungen unterscheidet. Dafr wird allein das IFB Untersuchungsdaten von ber 600 Probanden liefern. Eine spezielle Analyse der Stuhlproben mit einer genetischen Bestimmung der Darmkeime und Messung vieler Stoffwechselprodukte ist das Herzstck der Studie. Dadurch wird eine vllig neuartige Beschreibung der individuellen Darmflora mglich.

Grundstzlich ist die Darmflora des Menschen mit 400 bis 500 verschiedenen Bakterienspezies bestimmt durch die menschlichen Gene und die Keime, mit denen der Einzelne konfrontiert war. Deshalb gibt es innerfamilir vergleichbare Darmfloren. Bekannt ist auerdem, dass bei bergewichtigen Patienten weniger Arten von Darmbakterien vorkommen als bei Normalgewichtigen. Auch wchst das Verstndnis, wie die Darmflora durch Nahrungszusammensetzung oder Antibiotika beeinflusst werden.

Diesen Beobachtungen gehen die METACARDIS-Forscher auf den Grund, in dem sie die Wechselwirkungen prfen zwischen dem Mikrobiom bzw. seinen Vernderungen und der Entwicklung von Erkrankungen wie Adipositas (krankhaftes bergewicht), Typ-2-Diabetes, Arteriosklerose, Bluthochdruck sowie Herzschwche. Diese sehr hufigen Erkrankungen hngen urschlich stark miteinander zusammen. Diabetes etwa entsteht hufig als Folgeerkrankung einer Adipositas. Starkes bergewicht fhrt oft zunchst zum metabolischen Syndrom (Bluthochdruck, Fettstoffwechsel- und Blutzuckerstrungen), das wiederum langfristig in Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen mndet.

Therapien mit Hilfe der Darmflora?

Ziel von METACARDIS ist deshalb die gemeinsamen, krank machenden Faktoren und Verlufe fr die genannten Erkrankungen zu identifizieren. Darber hinaus soll herausgefunden werden, welche Eigenschaften der Darmflora auf ein erhhtes Erkrankungsrisiko hinweisen und wie sie therapeutisch beeinflusst werden kann. Prof. Dr. Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des IFB, betont die Chancen, die METACARDIS fr die Patientenbehandlung erffnet: "Es gibt zukunftsweisende Ideen, wie man das Mikrobiom gnstig beeinflussen kann.

Die Nahrungsmittelindustrie denkt ja schon lnger nach ber Prbiotika, also Bakterien in der Nahrung, und ber Probiotika zum Beispiel in Jogurt, die das Bakterienwachstum gezielt frdern. Ganz neu und erstaunlich wirksam sind Anstze, Stuhl von gesunden Probanden auf metabolisch kranke zu bertragen. Dadurch haben sich zwlf Wochen spter bei den Empfngern tatschlich viele Faktoren des Metabolischen Syndroms deutlich verbessert."

Derzeit ist allerdings noch nicht geklrt, wie sich eine "gnstige" Darmflora zusammensetzt, mit welchen Bakterienstmmen und in welchen Verhltnissen. METACARDIS wird zur Klrung dieser Fragen beitragen. Erkenntnisse aus der klinischen und Grundlagenforschung knnten zuknftig zu vllig neuartigen Behandlungswegen der Adipositas und assoziierter Folgekrankheiten wie Insulinresistenz, Fettleber, Diabetes und Arteriosklerose fhren.

Das IFB AdipositasErkrankungen ist eines von acht Integrierten Forschungs- und Behandlungszentren, die in Deutschland vom Bundesministerium fr Bildung und Forschung gefrdert werden. Es ist eine gemeinsame Einrichtung der Universitt Leipzig und des Universittsklinikums Leipzig (AR). Ziel der Bundesfrderung ist es, Forschung und Behandlung interdisziplinr so unter einem Dach zu vernetzen, dass Ergebnisse der Forschung schneller als bisher in die Behandlung adipser Patienten integriert werden knnen. Am IFB AdipositasErkrankungen gibt es derzeit ber 40 Forschungsprojekte. Zur Patientenversorgung stehen eine IFB Adipositas-Ambulanz fr Erwachsene und eine fr Kinder und Jugendliche zur Verfgung. Das IFB wird das Feld der Adipositasforschung und -behandlung in den nchsten Jahren kontinuierlich ausbauen.

Doris Gabel

zuletzt bearbeitet: 21.01.2013 nach oben

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