Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130212c

Selen: Statt Schutz vor Herzerkrankungen höheres Risiko für Typ-2-Diabetes

Spurenelemente nur nach ärztlicher Beratung einnehmen

Selen schtzt nicht vor Herzkreislauferkrankungen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft fr Endokrinologie (DGE) anlsslich einer aktuellen Meta-Analyse hin. Darber hinaus besteht anscheinend ein Zusammenhang von Seleneinnahme und erhhtem Diabetesrisiko, so die DGE weiter. Mglicherweise besteht jedoch eine positive Wirkung dieses Spurenelementes bei bestimmten Schilddrsenerkrankungen, betont die Fachgesellschaft. hnlich wie bei der Einnahme von Vitamin D und Kalzium sollten Patienten sich in jedem Fall vorher rztlich beraten lassen.

Mikronhrstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sind lebensnotwendig und heutzutage auch in Form von Nahrungsergnzungsmitteln weit verbreitet. Das Spurenelement Selen schtzt nicht nur die Zellmembran, sondern ist auch an der Regelung des Stoffwechsels beteiligt. Menschen nehmen Selen ber die Nahrung auf ? Fleisch, Meeresfrchte, Fisch sowie Milch- und Getreideprodukte sind reich an Selen. "Ein Selenmangel ist ? hnlich wie ein Vitamin-D-Mangel ? in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht worden", berichtet Professor Dr. med. Dr. h. c. Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum. Dazu zhlen Fehlgeburten, Unfruchtbarkeit bei Mnnern, Gemtsschwankungen, Alzheimer, Herzkreislauferkrankungen und entzndliche Gelenkerkrankungen. Professor Schatz stellt jedoch fest: "Einen Beleg, dass die Einnahme von Selen diese Erkrankungen verhindern oder bessern kann, gab und gibt es nicht."

Fr Herzerkrankungen liegt jetzt eine aktuelle Analyse der renommierten Cochrane-Institution ber zwlf randomisierte, kontrollierte Studien mit annhernd 20.000 Teilnehmern vor. Diese ergab keinen vorbeugenden Effekt einer Selen-Gabe. Professor Schatz ergnzt: "In mit Selen gut versorgten Regionen der Erde wie in den USA oder auch bei uns, ist eine Selenzufuhr zur kardiovaskulren Prvention offenbar ohne Effekt. Ein Selenmangel ist bei uns hchstens bei Veganern oder knstlich ernhrten Menschen zu finden." Eine weitere Studie habe gezeigt, dass unter Selengabe das Risiko fr Diabetes Typ 2 bis auf das Dreifache steigen kann. hnliches ergaben auch schon frhere Studien.

Viele Endokrinologen setzen Selen therapeutisch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrse wie der Hashimoto-Thyreoiditis ein. "Selen dient als Baustein bestimmter Enzyme, welche bei der Produktion der Schilddrsenhormone beteiligt sind", erlutert Professor Schatz. Aber auch hier ist die Beweislage fr die Notwendigkeit einer Selengabe nach Einschtzung des Experten nicht gesichert: "Dafr mssen dringend prospektive, kontrollierte Therapiestudien mit Selen im Vergleich zu Placebo an einer greren Anzahl von Patienten durchgefhrt werden."

Gesunde Menschen bentigen keine Selenprparate, erklrt der DGE-Mediensprecher. Eine Einnahme ohne Grund knnte sogar schdlich sein. Zu viel Selen kann eine Selenvergiftung, die Selenose, bewirken. Die Symptome sind laut Professor Schatz Magendarmbeschwerden, Haarausfall, Nagelvernderungen, Abgeschlagenheit, Reizbarkeit und Nervenirritationen. hnlich sei es auch mit der rztlich nicht begrndeten Zufuhr hherer Dosen von Kalzium. Hier steige bei Mnnern das Risiko, an Herzkreislauferkrankungen zu sterben, um 20 Prozent, erlutert der Experte aus Bochum, bezugnehmend auf eine neue Studie an knapp 400.000 Menschen aus den USA. "Weniger ist mehr", das gelte auch im Fall dieser Nahrungsergnzungsmittel, so Professor Schatz.

Literatur

  • K. Rees et al.: Selenium supplementation for primary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev 2013; DOI:10.1002/14651858.CD009671.pub2. Abstract, Feb 01, 2013-02-03

  • Rayman MP. Selenium and human health. Lancet 2012; 379: 1256?68, Abstract

zuletzt bearbeitet: 12.02.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.