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Zusatznutzen von Dapagliflozin bei Typ-2-Diabetes ist nicht belegt

Hersteller-Dossier enthält für kein Anwendungsgebiet geeignete Daten

Dapagliflozin (Forxiga®) ist seit November 2012 zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen. Das Institut fr Qualitt und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat in einer frhen Nutzenbewertung gem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) berprft, ob dieser neue Wirkstoff gegenber der bisherigen Standardtherapie einen Zusatznutzen bietet. Aus dem Dossier lsst sich ein solcher Zusatznutzen jedoch nicht ableiten, da der Hersteller fr keines der mglichen Anwendungsgebiete von Dapagliflozin relevante Daten vorgelegt hat.

Mono- oder Kombinationstherapie mglich

Zugelassen ist Dapagliflozin sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln einschlielich Insulin. Als Monotherapie kommt der Wirkstoff fr Patientinnen und Patienten infrage, die Metformin nicht vertragen. Dapaglizflozin kann auch als Kombinationstherapie entweder mit Metformin oder mit Sulfonylharnstoffen eingesetzt werden, wenn einer dieser beiden Wirkstoffe allein nicht ausreicht, um den Blutzucker zu kontrollieren. Zudem kann Dapagliflozin mit Insulin kombiniert werden, sofern die angestrebten Blutzuckerwerte mit Insulin allein nicht erreicht werden knnen. Es gibt weitere Mglichkeiten der Kombination mit oralen Antidiabetika, die der Hersteller in seinem Dossier aber nicht dargestellt hat.

G-BA legt zweckmige Vergleichstherapie fest

Fr die Dapagliflozin-Monotherapie hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) als zweckmige Vergleichstherapie festgelegt. Auch die Kombinationstherapie von Dapagliflozin und Metformin soll mit einem dieser beiden Wirkstoffe (jeweils ergnzt durch Metformin) verglichen werden. Die Kombination von Dapagliflozin mit einem Sulfonylharnstoff soll getestet werden gegen Metformin kombiniert mit einem der Sulfonylharnstoffe Glibenclamid oder Glimepirid. Die Kombination von Dapagliflozin und Insulin soll den Vorgaben des G-BA entsprechend entweder mit Humaninsulin und Metformin oder, sofern Metformin nicht geeignet ist, mit Humaninsulin allein verglichen werden.

Monotherapie: Patienten nicht zulassungskonform behandelt

Fr die Monotherapie legt der Hersteller keine direkt vergleichende Studie zwischen Dapagliflozin und einem der Sulfonylharnstoffe vor. Vielmehr fhrt er einen sich auf mehrere Studien sttzenden adjustierten indirekten Vergleich durch. Solche indirekten Vergleiche knnen prinzipiell geeignet sein, einen Zusatznutzen zu belegen. Allerdings wurden die Patientinnen und Patienten in den vom Hersteller herangezogenen Studien nicht so behandelt, wie es der Zulassung fr Dapagliflozin als Monotherapie entspricht. Denn beim berwiegenden Teil lag keine Unvertrglichkeit gegen Metformin vor.

Kombination mit Metformin: Hersteller vergleicht mit Glipizid

Was die Kombinationstherapie mit Metformin betrifft, legt der pharmazeutische Unternehmer keine Studie vor, die Dapagliflozin - wie vom G-BA vorgegeben - gegen Glibenclamid oder Glimepirid getestet hat. Stattdessen fhrt er eine Studie an, die Dapagliflozin plus Metformin mit Glipizid plus Metformin vergleicht. Dieser Sulfonylharnstoff ist jedoch schon seit 2007 in Deutschland nicht mehr zugelassen. Zudem hat der Hersteller in seinem Dossier nicht ausreichend dargelegt, dass Glipizid den beiden anderen Sulfonylharnstoffen gleichwertig ist.

Kombination mit Sulfonylharnstoffen: Studien sind nicht geeignet

Bei der Kombinationstherapie mit Sulfonylharnstoffen sttzt sich der pharmazeutische Unternehmer nicht auf eine direkt vergleichende Studie, sondern auf einen adjustierten indirekten Vergleich. Die Studien, die er dabei heranzieht, sind jedoch nicht geeignet: In einem Fall berschreitet die Glibenclamid-Dosis die in Deutschland zugelassene Maximaldosis, ein einem anderen wird wiederum der hierzulande nicht zugelassene Wirkstoff Glipizid eingesetzt.

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Kombination mit Insulin: Keine individuelle Therapie-Optimierung mglich

Fr die Indikation Dapagliflozin kombiniert mit Insulin zieht der Hersteller zwar drei Studien heran. Allerdings sind deren Ergebnisse fr die Bewertung des Zusatznutzens nicht verwertbar. Das liegt vor allem daran, dass die Insulintherapie nicht ausreichend individuell angepasst werden konnte: Obwohl die bisherige Insulintherapie unzureichend war, sollten die Patienten weder das Insulin wechseln noch die Dosis anpassen. Um Aussagen zum Zusatznutzen treffen zu knnen, msste die Kombination mit Dapagliflozin aber mit anderen Strategien der Therapieoptimierung, wie etwa dem optimierten Einsatz von Insulin, verglichen werden.

Ohnehin entspricht es lngst nicht mehr dem Standard diabetologischer Praxis, die Therapie nicht individuell anzupassen. Vielmehr wird die Insulintherapie individuell optimiert, damit ber- und Unterzuckerungen gar nicht erst auftreten. Insulin wird in der Studie also nicht so angewendet, wie es bei dieser Indikation notwendig und angemessen wre.

Somit enthlt das Dossier fr keine der vier Indikationen Studienergebnisse die geeignet wren, einen Zusatznutzen zu belegen.

G-BA beschliet ber Ausma des Zusatznutzens

Die Dossierbewertung ist Teil des Gesamtverfahrens zur frhen Nutzenbewertung, das der G-BA leitet. Nach der Publikation von Herstellerdossier und Dossierbewertung fhrt der G-BA ein Stellungnahmeverfahren durch, das ergnzende Informationen liefern und in der Folge zu einer vernderten Nutzenbewertung fhren kann. Der G-BA trifft einen Beschluss ber das Ausma des Zusatznutzens, der die frhe Nutzenbewertung abschliet.

Einen berblick ber die Ergebnisse der Nutzenbewertung des IQWiG gibt folgende Kurzfassung (PDF, 47 kB). Auf der vom IQWiG herausgegebenen Website gesundheitsinformation.de finden Sie zudem eine allgemeinverstndliche Kurzinformation.

Auf der Website des G-BA sind sowohl allgemeine Informationen zur Nutzenbewertung nach §35a SGB V als auch zur Bewertung von Dapagliflozin zu finden.

zuletzt bearbeitet: 15.03.2013 nach oben

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