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Diäten könnten Typ-2-Diabetes-Erkrankungen verhindern

Doch warum scheitern die meisten Schlankheitskuren auf lange Sicht?

Priv.-Doz. Dr. Thomas Ellrott 80 Prozent der Deutschen haben bereits versucht, mit Hilfe einer Dit ihr Gewicht zu reduzieren. Oft jedoch ohne langfristigen Erfolg. Der sogenannte "Jo-Jo-Effekt" sorgt dafr, dass die Waage nach dem Abnehmversuch oftmals genau so viel oder sogar noch mehr Kilos anzeigt als vorher. Doch warum scheitern so viele Diten? Mit dieser Frage hat sich Privatdozent Dr. Thomas Ellrott, Leiter des Instituts fr Ernhrungspsychologie (IfE) an der Universittsmedizin Gttingen, beschftigt. In der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "MMW - Fortschritte der Medizin" vom 21. Mrz 2013 nennt er 18 Grnde, warum viele Abnehmwillige mit ihren Ditversuchen scheitern.

"Diten sind als Einzelmanahme zum Gewichtsmanagement nur in seltenen Fllen langfristig erfolgreich", sagt Privatdozent Dr. Thomas Ellrott. "Es gibt eine Vielzahl von Barrieren, die dies verhindern. Wenn jedoch die mglichen Ursachen des Ditversagens bekannt sind, knnen bestehende Behandlungskonzepte optimiert werden."

ERFOLGLOSE DITEN - WAS SIND DIE URSACHEN?

Fr Abnehmwillige sind Diten meistens eine zeitlich begrenzte Manahme, um das Gewicht mglichst schnell zu senken. Viele Diten sind auch von vornherein so aufwndig, dass sie sich nur kurzfristig durchhalten lassen. Sind die Kilos reduziert, wird die Dit beendet. "Das ist in etwa so, als ob der Hausarzt das Blutdruckmedikament absetzt, wenn mit Hilfe des Medikaments der richtige Blutdruck eingestellt ist", sagt Ellrott: "Eine stabile Gewichtsreduzierung ist nur zu erreichen, wenn sich die Essgewohnheiten und der Lebensstil (u. a. mehr krperliche Aktivitt) langfristig ndern, also ber die Phase der Gewichtsreduktion hinaus. Bei vielen Diten wird dies nicht bercksichtigt." Ursprnglich hat "Dit" eben diese Bedeutung. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet "Lebensfhrung".

Eine weitere Ursache fr das Scheitern von Diten sieht Priv.-Doz. Dr. Ellrott in vllig unrealistischen Zielen, die viele Abnehmwillige sich setzen. Bei einem Ziel, fnf Kilogramm Krpergewicht pro Woche abnehmen zu wollen, ist der Misserfolg vorprogrammiert. "Da solche Ziele mit hoher Wahrscheinlichkeit verfehlt werden, bricht die Motivation zusammen und die begonnenen Manahmen werden komplett abgebrochen", so Ellrott.

Es gibt auch keine "One-size-fits-all-Dit", also "eine Dit fr alle", mit der jeder gleichermaen erfolgreich ist. Aktuelle Ditstudien zeigen, dass immer nur eine gewisse Anzahl bergewichtiger mit einer bestimmten Dit (plus Bewegung und Verhaltensnderungen) erfolgreich ist. Ditkonzepte mit Verhaltensspielrumen und ohne Verbote oder absolute Gebote sind langfristig grundstzlich erfolgreicher. Sie verhindern Essanflle, die beim berschreiten von Verboten oder absoluten Geboten typischerweise ber die Denkschablone "Ich habe es schon wieder nicht geschafft, jetzt ist es auch egal!" ausgelst werden.

Im Handel gibt es ber 200.000 verschiedene Lebensmittel. Diese groe Vielfalt trgt zur Lebensqualitt bei. Doch: eine groe Vielzahl an Lebensmitteln begnstigt auch eine erhhte Kalorienaufnahme. Studien haben gezeigt, dass die Kalorienaufnahme steigt, wenn es viele Auswahlmglichkeiten und viel Abwechslung gibt. Auch XXL-Portionen energiedichter Lebensmittel fhren dazu, dass mehr Kalorien aufgenommen werden. "Da wirkt der sogenannte 'Schnppchen-Effekt'. Solche Angebote werden bevorzugt, weil der Verbraucher besonders viel Menge fr sein Geld bekommt", sagt Priv.-Doz. Dr. Ellrott. Fr das Gewicht ist das ungnstig, weil die grere Kalorienmenge in den Folgemahlzeiten nicht vollstndig durch Minderverzehr ausgeglichen wird.

Eltern knnen in der Erziehung bereits ein problematisches Ess- und spteres Ditverhalten ihrer Kinder frdern: "Missbrauchen" sie Essen zur Affektregulation, wie zur Belohnung oder Bestrafung sowie als Manahme gegen Langeweile, legen sie den Grundstein fr sptere Frust- oder Stress-Esser.

"Nicht alle Ursachen fr ein Scheitern von Diten lassen sich vermeiden. So kann weder eine genetische Veranlagung noch eine bereits ber Jahrzehnte erfolgte Manifestierung ungnstiger Gewohnheiten nachtrglich gendert werden", sagt Privatdozent Dr. Thomas Ellrott. "Durch den Einsatz von Verhaltensstrategien zur Gewichtsstabilisierung, die Kombination von Diten mit Bewegungssteigerung und Verhaltensnderung, durch die Wahl individuell passender Ditstrategien, die richtige Kommunikation mit den Patienten, die Einbeziehung des sozialen Umfelds und durch realistische Ziele sowie flexible Kontrollvorgaben kann die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Erfolgs zumindest gesteigert werden."

Quellen

Originalpublikation: "Warum scheitern die meisten Diten auf lange Sicht?" in: Zeitschrift "MMW-Fortschritte der Medizin" Nr. 5/2013 (155. Jg.), S. 49-52 unter: www.springermedizin.de/4133064.

Bildunterschrift: Priv.-Doz. Dr. Thomas Ellrott
Bildquelle: privat

zuletzt bearbeitet: 22.03.2013 nach oben

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