Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130618g

Depressionen bei Diabetes doppelt so häufig wie in der Gesamtbevölkerung

Abstract zum Vortrag von Professor Dr. med. Johannes Kruse im Rahmen der Pressekonferenz "Psychosoziales und Diabetes" der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) am 18. Juni 2013 in Berlin.

Welche Unterstützung benötigen Diabetiker mit Depressionen?

Professor Dr. med. Johannes Kruse Menschen mit Diabetes leiden doppelt so oft unter einer Depression wie die Normalbevlkerung. Circa 10 Prozent aller Menschen mit Diabetes haben eine depressive Strung, nahezu jeder dritte Diabeteserkrankte weist eine erhhte psychische Belastung auf. Dabei zeigt sich ein bidirektionaler Zusammenhang: Einerseits erhht die Depression das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, andererseits gehen die Belastungen der krperlichen Erkrankung und der intensiven Behandlung einher mit der Entwicklung von seelischen Anpassungsstrungen und depressiven Symptomen. Hufig entwickelt sich ein Kreislauf: Je strker der Patient krperlich belastet ist, umso hufiger entwickelt er eine depressive Symptomatik, und diese wiederum verstrkt die Wahrnehmung der krperlichen Beschwerden.

Die depressive Symptomatik verstrkt die Einschrnkungen, die sich durch den Diabetes ergeben. Sie ist bei Menschen mit Diabetes verbunden mit einer erheblichen Reduktion der Lebensqualitt, einer geringeren Therapiezufriedenheit, einer hheren Rate beruflicher Einschrnkungen und erhhten Kosten in der medizinischen Versorgung. Diabetespatienten stellen ihren Stoffwechsel ungnstiger ein und haben einen ungesnderen Lebensstil mit Bewegungsmangel und Nikotinabhngigkeit, soweit sie eine depressive Symptomatik haben. Auch gibt es mittlerweile eine Reihe von Langzeitstudien, die darauf hinweisen, dass Diabeteserkrankte mit depressiver Symptomatik eine erhhte Sterblichkeitsrate gegenber Diabeteserkrankten ohne Depression haben.

Daher kommt der Diagnostik von depressiven Symptomen und Strungen in der Versorgung von Menschen mit Diabetes eine wichtige Rolle zu. Im Deutschen Gesundheitspass Diabetes ist eine Kurzskala eingearbeitet, in der die Patienten selber prfen knnen, ob sie sich zur Abklrung einer Depression an einen Arzt wenden sollen (siehe unten). Dieser kann mit Hilfe von zwei Fragen klren, ob eine depressive Symptomatik vorliegt.

Die nun berarbeiteten Leitlinien zur Behandlung der depressiven Symptomatik bei Menschen mit Diabetes empfehlen den Patienten eine psychotherapeutische Behandlung oder eine psychopharmakologische Therapie. Bei sehr schwer ausgeprgten Depressionen ist die Kombination aus beiden Therapien angezeigt. Ist die depressive Symptomatik Folge der Auseinandersetzung mit der krperlichen Erkrankung, so ist es zentral, dass Therapeuten die somatopsychischen Wechselwirkungen in der Behandlung beachten. Zentraler Baustein dieser Behandlung ist es, die Ressourcen der Patienten im Umgang mit der Erkrankung zu frdern. Das Ziel ist es, die depressive Symptomatik zu reduzieren, die Lebensqualitt zu steigern, aber auch den Patienten in der Bewltigung der krperlichen Erkrankung zu untersttzen.

Auszug Deutscher Gesundheitspass Diabetes (Quelle: Kirchheim Verlag):

Wie ist Ihr Wohlbefinden?

Kurzfragebogen aus Gesundheitspass Diabetes
Kurzfragebogen zum psychischen Befinden des Menschen mit Diabetes. Quelle: Kirchheim Verlag.

Anleitung: So geht es

berlegen Sie, wie Sie sich in den letzten beiden Wochen gefhlt haben. Machen Sie ein Kreuz bei der Antwort, die am ehesten fr Sie zutrifft. Zhlen Sie anschlieend die fnf Zahlen, die sich aus Ihren Antworten ergeben, zusammen. Maximal knnen Sie 25 Punkte erreichen, minimal 0 Punkte. Je hher Ihre Punktzahl ist, desto besser ist Ihr aktuelles Wohlbefinden.

Ein Punktwert unter 13 ist ein deutlicher Hinweis auf ein momentan eher schlechtes Wohlbefinden. Ab einem Punktwert unter 10 sollten Sie auf jeden Fall von sich aus Ihren Arzt ansprechen, der mit Ihnen besprechen sollte, was die Ursache fr Ihr momentan eher eingeschrnktes Wohlbefinden sein knnte.

Mehr zum Deutschen Gesundheitspass Diabetes.

(Es gilt das gesprochene Wort!)

Quellen

S2-Leitlinie Psychosoziales und Diabetes - Langfassung 2013
- 1. Teil in: Diabetologie 2013, Ausgabe 3, dx.doi.org/10.1055/s-0033-1335785
- 2. Teil in Diabetologie 2013; Ausgabe 4 (ET: August), 10.1055/s-0033-1335889
- Im Internet: http://www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de/leitlinien/evidenzbasierte-leitlinien.html

Bildunterschrift: Professor Dr. med. Johannes Kruse, rztlicher Direktor der Kliniken fr Psychosomatik und Psychotherapie, Universittskliniken Gieen und Marburg; Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft fr Psychosomatische Medizin und rztliche Psychotherapie (DGPM)
Bildquelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

zuletzt bearbeitet: 18.06.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.