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Vorteil für Diabetes-Medikamente mit Wirkstoff Sitagliptin

Bei seiner ersten Bewertung des Bestandsmarkts sieht das IQWiG Anhaltspunkte für Zusatznutzen

Für übrige Gliptine keine aussagefähigen Daten

In der freien Kombination mit Metformin gibt es fr Sitagliptin Anhaltspunkte fr einen geringen Zusatznutzen gegenber Sulfonylharnstoffen, sofern normnahe Blutzuckerwerte das Ziel der Therapie sind. Im Vergleich zu dem in Deutschland nicht zugelassenen Sulfonylharnstoff Glipizid ist der Zusatznutzen bei Mnnern sogar erheblich. Fr andere Wirkstoffe aus der Gruppe der Gliptine ist ein Zusatznutzen dagegen nicht belegt. Zu diesem Ergebnis kommt das Institut fr Qualitt und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das am 1. Juli 2013 die ersten Dossierbewertungen gem Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) fr den sogenannten Bestandsmarkt vorgelegt hat. Gegenstand waren Wirkstoffe aus der Gruppe der Gliptine.

Umfassendes Auftragspaket zu Gliptinen

Auf den Prfstand kamen drei Arzneistoffe, entweder als Monoprparat oder als feste Kombination mit Metformin: Vildagliptin und Vildagliptin/Metformin, Sitagliptin und Sitagliptin/Metformin sowie Saxagliptin. Diese waren jeweils zwischen 2007 und 2009 in Deutschland zur Behandlung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen worden. Sie kommen infrage, wenn die Betroffenen mit Ernhrungsumstellung und Bewegung allein ihren Blutzucker nicht ausreichend senken knnen oder andere orale Antidiabetika nicht vertragen.

Zeitgleich abgeschlossen hat das IQWiG zudem eine Dossierbewertung der Fixkombination von Saxagliptin und Metformin. Diese war erstmals Ende 2011 auf den Markt gekommen und vom IQWiG bewertet worden. Sie erhielt Anfang 2013 eine Zulassung fr ein zustzliches Anwendungsgebiet, das jetzt ebenfalls vom IQWiG untersucht wurde.

Verfgbare Studien fr Nutzenbewertung nicht geeignet

Mit Ausnahme von Sitagliptin als Monoprparat lsst sich aus den vorgelegten Studiendaten fr keines der Gliptine ein Zusatznutzen ableiten. Viele der bisher durchgefhrten Studien sind nicht geeignet, die Frage des Zusatznutzens zu beantworten.

Die Grnde dafr sind vielfltig: Fr einige Indikationen haben die Hersteller selbst gar keine Daten im Dossier vorgelegt, weil es keine entsprechenden Studien gibt. Dies gilt z. B. fr Sitagliptin und Vildagliptin jeweils in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff. In anderen Fllen haben die Hersteller Studien vorgelegt, die nicht die interessierende Patientengruppe untersucht haben (z. B. Vildagliptin in der Monotherapie).

Vergleichstherapien hufig nicht gem Fachinformation eingesetzt

Ein Teil der Studien ist deshalb ungeeignet, weil die Medikamente in der Vergleichsgruppe nicht so eingesetzt wurden, wie es die jeweilige Fachinformation vorsieht. So wurden die Medikamente teilweise berdosiert, teilweise wurde auch die Dosis zu schnell erhht und damit Nebenwirkungen riskiert. Dies benachteiligt die Vergleichstherapie. Anders als vielfach behauptet, gibt es also meist eine inhaltliche und keineswegs eine blo "formale" Begrndung, wenn das IQWiG solche Daten als Nachweis fr den Zusatznutzen nicht akzeptiert.

Sitagliptin: Zusatznutzen in einer von fnf Indikationen

Fr die Bewertung von Sitagliptin hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in Abhngigkeit von der jeweiligen Vorbehandlung zwischen insgesamt fnf Indikationen differenziert und fr diese jeweils verschiedene zweckmige Vergleichstherapien festgelegt.

Fr Sitagliptin als alleinige Therapie zeigten die vorgelegten Daten keinen Vorteil von Sitagliptin. Fr die Kombination mit Sulfonylharnstoff, die Kombination mit Metformin und Sulfonylharnstoff sowie die Kombination mit Insulin ist ein Zusatznutzen nicht belegt, weil geeignete Daten fehlten oder gar keine Daten vorgelegt wurden.

Sitagliptin versus Glimepirid: Weniger Unterzuckerungen

In einer Studie, die die Zweifachkombination von Sitagliptin mit Metformin gegen Glimepirid (die zweckmige Vergleichstherapie) und Metformin testete, zeigte sich bei den meisten Endpunkten kein relevanter Unterschied. Bei den Nebenwirkungen war das Bild uneinheitlich: Einerseits traten nicht schwere Unterzuckerungen (besttigte symptomatische Hypoglykmien) unter Sitagliptin seltener auf. Allerdings brachen die Teilnehmer in diesem Studienarm hufiger die Therapie wegen Nebenwirkungen ab.

In der Bilanz sieht das IQWiG hier einen Anhaltspunkt fr einen geringen Zusatznutzen. Das gilt allerdings nur fr die Patienten, bei denen eine Senkung des Blutzuckers auf einen normnahen Wert angestrebt war, fr die brigen ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Sitagliptin versus Glipizid: berlebensvorteil bei Mnnern

Auch im Vergleich mit dem in Deutschland nicht zugelassenen Sulfonylharnstoff Glipizid zeigt sich Sitagliptin in der Zweifachkombination mit Metformin berlegen. So trat in der Sitagliptin-Gruppe innerhalb des Beobachtungszeitraums von zwei Jahren (104 Wochen) ein Todesfall auf, in der Glipizid-Gruppe waren es dagegen acht - alle neun waren Mnner. Allerdings gilt auch hier die Einschrnkung auf das Therapieziel normnaher Blutzucker.

Vorteile hatte Sitagliptin in dieser Studie auch in Hinblick auf Unterzuckerungen - und das unabhngig vom Geschlecht: Sowohl schwere als auch symptomatische Hypoglykmien traten hier seltener auf.

Wie beim Vergleich mit Glimepirid sind auch hier die Ergebnisse mit Unsicherheiten behaftet: Es fehlen Informationen dazu, ob die Unterzuckerungen insbesondere in der Frhphase der Studie, also in der Einstellungsphase, aufgetreten sind. Auerdem fehlen Langzeitdaten, insbesondere in Hinblick auf gefbedingte Folgekomplikationen.

In der Gesamtschau geht das IQWiG deshalb bei Sitagliptin im Vergleich zu Glipizid (jeweils plus Metformin) bei den Mnnern von einem Anhaltspunkt fr einen erheblichen Zusatznutzen aus. Einen Zusatznutzen gibt es auch bei den Frauen, allerdings ist das Ausma hier nicht quantifizierbar, hchstens betrchtlich.

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Auch sechs Jahre nach Zulassung noch keine Langzeitstudien

Fr keinen der bewerteten Wirkstoffe wurden in den Dossiers Langzeitstudien vorgelegt und das, obwohl sie teilweise bereits seit 2007 auf dem Markt sind. "Bereits bei frheren Bewertungen von Antidiabetika kam das IQWiG zu diesem Befund. Es ist vllig inakzeptabel, dass gerade bei Medikamenten, die Patienten ber sehr lange Zeitrume einnehmen mssen, auch mehrere Jahre nach der Zulassung keine Daten dazu vorliegen, wie sich ihre Anwendung langfristig auswirkt", kommentiert Thomas Kaiser, Leiter des Ressorts Arzneimittelbewertung im IQWiG. Denn ein wichtiges Ziel bei der Diabetes-Behandlung ist es, mikro- und makrovaskulre Folgekomplikationen zu vermeiden.

Kurz vor Abschluss der Bestandsmarktbewertung hat der Hersteller von Saxagliptin angekndigt, dass Ergebnisse einer Langzeitstudie prsentiert werden. Unverstndlich ist das Fehlen von Langzeitdaten daher insbesondere bei Sitagliptin und Vildagliptin, die als erste Gliptine bereits im Mrz bzw. September 2007 europaweit zugelassen wurden.

Schlechte Datenlage ist fr alle Beteiligten unbefriedigend

Mit Ausnahme einer Indikation von Sitagliptin konnte das IQWiG zusammenfassend keinem der Gliptine einen Zusatznutzen attestieren. "Das ist fr alle Beteiligten ein unbefriedigendes Ergebnis - nicht nur fr die Hersteller, sondern auch fr die Patienten und ihre behandelnden rzte", bilanziert IQWiG-Leiter Jrgen Windeler die Bewertung der Wirkstoffgruppe.

"Hersteller reklamieren fr die Gliptine Vorteile, ja, einen Therapiefortschritt. Diese subjektive berzeugung stellen wir nicht in Abrede. Unsere Aufgabe ist es jedoch, nchtern zu prfen. Und dabei mssen wir feststellen, dass die Hersteller bisher nicht in der Lage sind, diesen Therapiefortschritt auch in Studien zu belegen. Hier besteht dringender Nachholbedarf", sagt Jrgen Windeler.

G-BA beschliet ber Ausma des Zusatznutzens

Die Dossierbewertung ist Teil des Gesamtverfahrens zur frhen Nutzenbewertung, das der G-BA leitet. Nach der Publikation von Herstellerdossier und Dossierbewertung fhrt der G-BA ein Stellungnahmeverfahren durch, das ergnzende Informationen liefern und in der Folge zu einer vernderten Nutzenbewertung fhren kann. Der G-BA trifft einen Beschluss ber das Ausma des Zusatznutzens, der die frhe Nutzenbewertung abschliet.

Einen berblick ber die Ergebnisse der Nutzenbewertung des IQWiG gibt jeweils eine Kurzfassung. Auf der vom IQWiG herausgegebenen Website gesundheitsinformation.de finden Sie zudem zu allen Wirkstoffen eine allgemeinverstndliche Kurzinformation.

Auf der Website des G-BA sind sowohl allgemeine Informationen zur Nutzenbewertung nach §35a SGB V als auch zur Bewertung der einzelnen Wirkstoffe zu finden.

Weiterfhrende Informationen des IQWiG

Weiterfhrende Informationen des G-BA

zuletzt bearbeitet: 01.07.2013 nach oben

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