Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2013 > 130821

Volkswirtschaftliche Kosten und Nebenwirkungen einer Bürgerversicherung

Laut Studie könnte das medizinische Versorgungsniveau durch fehlenden Wettbewerb zwischen privaten und gesetzlichen Krankenkassen sinken

Werden private und gesetzliche Krankenversicherung durch eine "Brgerversicherung" ersetzt, sollte diese vor allem Anreize fr eine effiziente Bereitstellung von Gesundheitsleistungen enthalten. In den bisherigen Vorschlgen steht jedoch meist die Einkommensumverteilung zwischen den Beitragszahlern im Vordergrund. Die "Brgerversicherung" wrde so zu negativen volkswirtschaftlichen Effekten fhren. Der dann fehlende Systemwettbewerb zwischen privaten und gesetzlichen Krankenkassen wrde sich zudem negativ auf das medizinische Versorgungsniveau auswirken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westflischen Instituts fr Wirtschaftsforschung (RWI) und der Universitt Basel im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung.

Mit den Vorschlgen zur "Brgerversicherung" drohen negative Auswirkungen auf Bruttoinlandsprodukt (BIP), Beschftigung und gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt. Statt Anreize zu schaffen, Gesundheitsleistungen effizient bereitzustellen, zielen sie vor allem auf die Einkommensumverteilung zwischen den Beitragszahlern ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Rheinisch-Westflischen Instituts fr Wirtschaftsforschung (RWI) und der Universitt Basel im Auftrag des Verbandes der Privaten Krankenversicherung.

Ziel der "Brgerversicherung" ist es, einen integrierten Krankenversicherungsmarkt zu schaffen, der die bestehende Zweiteilung aus PKV und GKV beseitigt. Hierzu soll die Zustndigkeit der GKV auf die Gesamtbevlkerung ausgeweitet werden. Schon heute entspricht fr GKV-Versicherte die Finanzierung des Krankheitsrisikos ber das Umlageverfahren einer impliziten Besteuerung ihres beitragspflichtigen Einkommens in Hhe von durchschnittlich 6,7 % pro Jahr. Um so viel kleiner ist nmlich das Ertrags-Leistungsverhltnis der GKV aus Sicht der Versicherten im Vergleich zu einer nach dem Kapitaldeckungsverfahren organisierten Krankenversicherung. Ein vollstndiger Umstieg auf das GKV-Umlagesystem wrde fr auch fr jeden neu in der GKV Versicherten eine implizite Steuererhhung in dieser Hhe bedeuten.

nach oben

Beitragssatz zum Gesundheitsfonds drfte bis 2040 auf 22,4 % steigen, Wechselfenster in die GKV erhht Beitragssatz zunchst um 0,7 Prozentpunkte

Da durch die Alterung der Gesellschaft immer mehr Rentner immer weniger Erwerbsttigen gegenberstehen, drfte der Beitragssatz zum Gesundheitsfonds bis zum Jahr 2040 von aktuell 15,5 % auf 22,4 % steigen. Dies ergibt sich aus der Fortschreibung des heute geltenden gesetzlichen Rahmens, die in einem Referenzszenario berechnet wurde. In diesem wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2040 von derzeit 2675 Milliarden Euro voraussichtlich um 22 % auf 3255 Milliarden Euro steigen; wegen einer sinkenden Bevlkerungszahl pro Kopf sogar um 34 %. Das im Gesundheitswesen erwirtschaftete BIP drfte bis 2040 von 239 Milliarden Euro sogar um 98 % auf 472 Milliarden Euro zunehmen.

Im Rahmen der Studie wurde auch die Wirkung anderer im Zusammenhang mit der "Brgerversicherung" diskutierter Einzelmanahmen untersucht. Wrde beispielsweise den privaten Krankenversicherern im Zuge der Systemumstellung das Neugeschft verboten und erhielten ihre Bestandskunden gleichzeitig eine zeitlich befristete Wechseloption in die gesetzliche Krankenversicherung, wrden die Krankenkassenbeitrge der gesetzlich Versicherten zunchst um rund 0,7 Prozentpunkte steigen. Erst mit der Zeit wrde sich dieser Effekt auswachsen.

Eine An- oder Aufhebung der Beitragsbemessungsgrenze wrde zu einer greren Einkommensumverteilung fhren. Dies knnte fr einzelne Haushalte eine Verdreifachung ihres derzeitigen GKV-Beitrags bedeuten. Eine Einbeziehung aller Einkunftsarten in die GKV-Beitragsbemessung ginge in eine hnliche Richtung. Zustzlich mssten hierfr Doppelstrukturen zu den Finanzmtern aufgebaut werden, um ber das beitragspflichtige Einkommen hinausgehende Einkommensarten exakt zu erfassen. Prinzipiell sollten solche verteilungspolitischen Ziele nicht im Krankenversicherungs-, sondern im Steuersystem umgesetzt werden.

Systemwettbewerb zwischen PKV und GKV stabilisiert Versorgungsniveau

Wrde die PKV zu Gunsten einer "Brgerversicherung" ganz abgeschafft, wren damit verschiedene negative Auswirkungen auf den Krankenversicherungsmarkt verbunden. Zum einen wrde der Systemwettbewerb mit der GKV wegfallen, der sich erstens stabilisierend auf das medizinische Versorgungsniveau der gesetzlich Versicherten auswirkt und zweitens die GKV davor schtzt, zu sehr in die Rolle eines zweiten Finanzamts gedrngt zu werden. Wohlfahrtsmindernd fr die deutsche Volkswirtschaft wre auch die zustzliche implizite Besteuerung durch den Verzicht auf die Kapitaldeckung in der Krankenversicherung. Zudem wrde die in der PKV vorherrschende grere Wahlfreiheit in Bezug auf Versicherungstarife beschrnkt.

Fr die Studie wurden die Daten der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 2008 verwendet. Diese umfasst die Lebensverhltnisse privater Haushalte in Deutschland und wird alle fnf Jahre von den statistischen mtern erhoben. Die Angaben lassen Rckschlsse auf die Gesamtheit von 39,4 Millionen Haushalten in Deutschland zu. Um das Konzept der "Brgerversicherung" aus konomischer Perspektive zu hinterfragen, wurde ein Modell verwendet, das Wechselwirkungen zwischen staatlichen Eingriffen und den Reaktionen der davon Betroffenen abbildet und einen Zeitraum bis zum Jahr 2040 umfasst.

zuletzt bearbeitet: 21.08.2013 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Monika Gause

Monika Gause

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.