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Altersgemäße Therapiekonzepte in der Zahnmedizin

Diabetes und Parodontitis - ein Problem der alternden Gesellschaft?

DGZMK stellt beispielhaft Erkrankungsformen und Therapieansätze vor

Zahnmedizinische Betreuung reicht von der frhkindlichen Phase bis ins hohe Alter. Bestmgliche Zahngesundheit ein Leben lang - das erfordert spezielle Konzepte fr bestimmte Altersgruppen und deren Erkrankungs-Prvalnzen. Auf einer Pressekonferenz in Frankfurt stellte die Deutsche Gesellschaft fr Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) beispielhaft orale Erkrankungsformen in bestimmten Altersgruppen und entsprechende Therapieanstze vor. So ist die frhkindliche Karies ein spezielles Problem, das zwar bei immer weniger Kleinkindern auftritt, dort aber umso heftiger. Ein weiteres altersspezifisches Krankheitsbild stellt die aggressive Parodontitis bei Jugendlichen dar. Nicht nur angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland kommt den parodontalen Erkrankungen im Zusammenspiel mit systemischen eine immer grere Bedeutung zu, am besten erforscht ist die Assoziation von Parodontitis und Diabetes mellitus.

Frhkindliche Karies ? eine unterschtzte Gefahr?

Insgesamt sei Karies auf dem Rckmarsch, erluterte Prof. Dr. Anahita Jablonski-Momeni (Uni Marburg), fr die Deutsche Gesellschaft fr Kinderzahnheilkunde (DGKiZ). Bei der Milchzahnkaries stagniert allerdings dieser "caries decline". Ursache fr diese unbefriedigende Situation ist die bereits kurz nach dem Zahndurchbruch auftretende, rasch voranschreitende frhkindliche Karies, die ebenfalls unter dem Begriff "Early Childhood Caries" bekannt ist.

Bei der auch als Nuckelflaschenkaries bezeichnete Erkrankung manifestieren sich neben Plaque, Gingivitis und kreidigweien (Initial-)Lsionen deutliche karise Defekte vornehmlich an den Oberkieferfrontmilchzhnen, die in schweren Fllen auf das Gesamtgebiss bergreifen. Als Risikofaktoren werden der exzessive Gebrauch der Nuckelflasche mit kariogenen erosiven Getrnken nachts, die frhzeitige orale Infektion mit Mutans-Streptokokken und mangelhafte Mundhygiene festgestellt, was insgesamt hufig mit einem niedrigen soziokonomischen Status einhergeht.

Die Hufigkeit liegt bei 10-15 Prozent, in sozialen Brennpunkten steigen die Prvalenzen bis auf 40 Prozent. Diese Durchschnittswerte kaschieren allerdings die reale Kariesverteilung. Die verstrkte Polarisierung der Karies fhrt dazu, dass immer weniger Kinder die Mehrheit der Lsionen auf sich vereinigen. So weisen bei den Dreijhrigen nur zwlf Prozent der Kinder 95 Prozent des Kariesbefalls auf sich.

Zur Prvention von frhkindlicher Karies sollten nur wissenschaftlich positiv evaluierte Manahmen, wie regelmige Fluoridapplikationen, Putztrainings sowie Eltern- und Multiplikatorenschulungen, eingesetzt werden. Alleinige Mundgesundheitsaufklrungen sind bei der Vermeidung von frhkindlicher Karies hufig nicht erfolgreich. Aufgrund der Schwere des Problems sind dafr alle mglichen Zugangskanle auszubauen.

Einerseits sollte die zugehende Gruppenprophylaxe in Kinderkrippen ausgebaut werden und explizit der gesetzliche Auftrag dazu von drei Jahren auf das erste Lebensjahr abgesenkt werden. Da auf absehbare Zeit viele Kinder nicht in eine Krippe gehen werden, sollte auch die Frhprophylaxe beim Zahnarzt von zweieinhalb Jahren auf sechs bis acht Monate vorgezogen werden, da viele Kinder bisher mit drei Jahren bereits auf dem OP-Tisch liegen. Dazu bestehen bei Krankenkassen und Zahnrzten aktuell vielversprechende Bemhungen, um dies auch in der Praxis umzusetzen.

Aggressive Parodontitis im Jugendalter

Bereits im Kindesalter knnen sich unterschiedliche Formen parodontaler Erkrankungen manifestieren, so Prof. Dr. Petra Ratka-Krger (Uni Freiburg). Davon beschrnken sich die meisten Vernderungen auf das Zahnfleisch. Nur bei einer kleinen Gruppe junger Patienten besteht eine entzndliche Erkrankung des gesamten Zahnhalteapparates mit bindegewebigem Verlust des Zahnfleisches und Rckgang des Kieferknochens.

Die Aggressive Parodontitis geht mit einem rasch fortschreitenden Zahnfleisch- und Kieferknochenverlust einher. Man unterscheidet zwischen der lokalisierten und der aggressiven Parodontitis. Die lokalisierte aggressive Parodontitis tritt vor allem an den ersten Molaren und mittleren Schneidezhnen auf; an mindestens zwei bleibenden Zhnen, davon einem ersten Molaren, ist Rckgang des Zahnfleisches zwischen den Zhnen nachweisbar; nicht mehr als zwei weitere Zhne (keine ersten Molaren oder mittleren Schneidezhne) sind zustzlich betroffen.

Die Erkrankung beginnt whrend der Pubertt. Die generalisierte aggressive Parodontitis ist durch einen generalisierten Rckgang des Zahnfleisches zwischen den Zhnen gekennzeichnet; mindestens drei Zhne (keine ersten Molaren oder mittleren Schneidezhne) sind zustzlich betroffen. Die Erkrankung verluft schubweise. Sie beginnt meistens vor dem 30. Lebensjahr.

Die Behandlung einer aggressiven Parodontitis basiert auf einer frhzeitigen und grndlichen Diagnostik, einer Reduktion oder Elimination der pathogenen Mikroflora und einer untersttzenden Antibiotikatherapie. Bei parodontal anflligen Patienten besteht auch nach der korrektiven Phase ein hohes Risiko fr eine erneute Infektion. Deswegen hngt der langfristige Erfolg einer Parodontitisbehandlung neben den diagnostischen und therapeutischen Manahmen auch ganz entscheidend von der Qualitt der untersttzenden Therapie ab. Durch engmaschige Kontrollen soll eine Reinfektion und ein Weiterfortschreiten der Erkrankung vermieden werden mit dem Ziel des mglichst langfristigen Zahnerhalts.

Diabetes und Parodontitis - ein Problem der alternden Gesellschaft?

Seit lngerer Zeit wird vermehrt ber die Zusammenhnge zwischen Parodontitis und systemischen Erkrankungen berichtet. Die Assoziation zwischen Parodontitis und Diabetes ist dabei am besten untersucht und es liegt hohe eine Evidenz fr einen kausalen und bidirektionalen Zusammenhang zwischen Parodontitis und Diabetes vor, erklrte Prof. Dr. Dr. Sren Jepsen (Uni Bonn).

Parodontitis kommt bei Diabetikern hufiger als bei Personen ohne Diabetes vor. Bei Diabetikern ist die Parodontitis strker ausgeprgt und schreitet schneller voran. Dabei hngt das Risiko fr die Entstehung und Progression einer Parodontitis von der glykmischen Einstellung des Diabetes ab.

Andererseits kann durch eine Behandlung der Parodontitis die metabolische Einstellung eines Diabetes verbessert werden: So haben mehrere Meta-Analysen gezeigt, dass durch Parodontitistherapie der HbA1c-Wert klinisch signifikant um ca. 0,4 Prozentpunkte reduziert werden kann.

Aus diesen Interaktionen zwischen Parodontitis und Diabetes ergeben sich eine ganze Reihe von Konsequenzen fr die zahnrztliche Praxis. Die enge interdisziplinre Zusammenarbeit zwischen Zahnmedizinern und Internisten/Diabetologen ist fr die erfolgreiche Behandlung von parodontal-erkrankten Diabetikern von entscheidender Bedeutung. Eine S2k-Leitlinie dazu wird von der Deutschen Gesellschaft fr Parodontologie (DGParo), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) und der DGZMK erarbeitet.

Weitere Informationen unter www.dtzt.de.

Diese Pressemitteilung wurde über den - idw - versandt.

zuletzt bearbeitet: 08.11.2013 nach oben

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