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US-Leitlinienempfehlungen

Pressemitteilung: Deutsche Hochdruckliga

Wie weit soll Bluthochdruck gesenkt werden?

Ein niedriger Blutdruck im Alter schtzt vor Schlaganfall und Herzerkrankungen. Auch Menschen ber 60 sollten deshalb auf einen gesunden Lebensstil achten und gegebenenfalls Medikamente gegen einen zu hohen Blutdruck einnehmen, rt die Deutsche Hochdruckliga DHL®. Wie weit ein erhhter Blutdruck jedoch gesenkt werden sollte, wird derzeit diskutiert. Die Deutsche Hochdruckliga kommt in einer Stellungnahme zu einer anderen Einschtzung als aktuelle Empfehlungen zweier US-Gesellschaften.

Im Alter kommt es bei den meisten Menschen zu einem Anstieg des Blutdrucks. Die frhere Regel, wonach ein oberer systolischer Blutdruck von 100 plus Lebensalter normal ist, gilt schon lange nicht mehr. "Es ist nicht nur erwiesen, dass ein hoher Blutdruck im Alter das Risiko erhht, an Schlaganfall oder Herzerkrankungen zu sterben", berichtet Professor Bernhard Krmer, Direktor der V. Medizinischen Klinik an der Universittsmedizin Mannheim. Auch der Nutzen einer medikamentsen Blutdrucksenkung ist durch Studien gut belegt. "Wer im Alter auf einen normalen Blutdruck achtet, lebt lnger", so der Vorstandsvorsitzende der DHL.

Offen ist nur, bis zu welchem Wert der Blutdruck gesenkt werden sollte. Die aktuell gltigen, gemeinsamen Empfehlungen der European Society of Hypertension, European Society of Cardiology, Deutschen Hochdruckliga DHL und der Deutschen Gesellschaft fr Kardiologie aus dem Jahr 2014 raten allen Menschen unter 80 Jahren mit einem systolischen Blutdruck von 160 mmHg oder hher zur Behandlung, wenn alle nichtmedikamentsen Manahmen keine Wirkung gezeigt haben. Dabei sollte ein Zielwert zwischen 140 bis 150 mmHg angestrebt werden. Sind die Patienten besonders leistungsfhig, knnen auch Werte unter 140 mmHg angestrebt werden. Zhlen sie eher zur gebrechlichen Patientengruppe, wird der Blutdruck je nach individueller Vertrglichkeit eingestellt. Auch fr Personen ber 80 Jahre gelten als Blutdruckziel zwischen 140 bis 150 mmHg; sofern sie in einem guten Allgemeinzustand sind.

Ob eine weitere Senkung vorteilhaft ist, wird seit Lngerem diskutiert. Zwei grere Therapiestudien der letzten Jahre haben untersucht, ob eine Senkung des Blutdrucks auf den systolischen Normalwert von jungen Menschen von 120 mmHg vorteilhaft wre. Dies waren die ACCORD-Studie mit fast 5.000 Diabetikern und die SPRINT-Studie an ber 9.000 Nichtdiabetikern. "ACCORD und SPRINT kommen auf den ersten Blick zu kontrren Ergebnissen", berichtet Professor Krmer. In der ACCORD-Studie war die aggressive Blutdrucksenkung ohne Vorteile. "Die Einnahme der Medikamente schien den Patienten eher zu schaden", so der Experte. "Die SPRINT-Studie wurde dagegen vorzeitig gestoppt, weil es unter der Blutdrucksenkung zu weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen und weniger Todesfllen kam."

Beide Studien mssen im Kontext mit frheren Untersuchungen betrachtet werden. Hierzu liegt eine aktuelle bersicht und Meta-Analyse vor, die zur Vorbereitung einer neuen Leitlinie von zwei US-Gesellschaften erstellt wurde: Laut dem American College of Physicians (ACP) und der American Academy of Family Physicians (AAFP) ergebe diese Analyse, dass eine Blutdrucksenkung bei ber 60-Jhrigen auf unter 150 mmHg die Sterblichkeit senke, wobei der grte Effekt durch die Vermeidung von Schlaganfllen erzielt werde. Bei einer Absenkung des Blutdrucks auf unter 140 mmHg werde dagegen nur noch ein marginaler Zusatznutzen erzielt. Ein Vorteil fr die Gesamtsterblichkeit sei dann in der Meta-Analyse nicht mehr nachweisbar. Das American College of Physicians und die American Academy of Family Physicians raten aufgrund der Ergebnis-Analyse, den Blutdruck bei lteren Menschen ber 60 nur auf 150 mmHg zu senken. Nur bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall hatten oder unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sollte der Versuch unternommen werden, den Blutdruck auf unter 140 mmHg zu senken.

Die Deutsche Hochdruckliga teilt diese Empfehlungen nicht: "Bei Betrachtung der Studien zeigen sich in der Meta-Analyse von Weiss et al. ein signifikant besseres Gesamtberleben, signifikant weniger Schlaganflle und signifikant weniger kardiale Ereignisse, wenn der obere, der systolische, Blutdruckwert auf unter 140 mmHg gesenkt wird", gibt Professor Krmer zu Bedenken. Gerade die Mehrheit der ber 60-Jhrigen habe zudem ein erhhtes Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. "Daher sollte der Blutdruck gerade in dieser Altersgruppe auf mindestens unter 140 mmHg gesenkt werden."

Auch die von den US-Gesellschaften angesetzte Altersgrenze von 60 Jahren sei ein zuflliges Ergebnis und vor allem durch das Durchschnittsalter der Patienten in den untersuchten Studien bestimmt. Als Altersgrenze komme allenfalls das 80. Lebensjahr in Frage, so die Einschtzung des Experten. Ein viel wichtigerer Mastab sei die individuelle krperliche und geistige Verfassung des Patienten.

Quellen

  • Stellungnahme der Hochdruckliga

  • Jessica Weiss et al.: Benefits and Harms of Intensive Blood Pressure Treatment in Adults Aged 60 Years or Older: A Systematic Review and Meta-analysis. Annals of Internal Medicineb2017; doi: 10.7326/M16-1754

  • Amir Qaseem et al.: Pharmacologic Treatment of Hypertension in Adults Aged 60 Years or Older to Higher Versus Lower Blood Pressure Targets: A Clinical Practice Guideline From the American College of Physicians and the American Academy of Family Physicians. Annals of Internal Medicine 2017; doi: 10.7326/M16-1785

zuletzt bearbeitet: 26.01.2017 nach oben

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