Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2017 > 170223

Menschen mit Typ-1-Diabetes

Sport ohne Sorge

Auch Menschen mit Typ-1-Diabetes profitieren in vielerlei Hinsicht von Sport und krperlicher Aktivitt - allerdings ist die Umsetzung fr die Betroffenen nicht immer einfach. Aus Angst vor Unterzuckerungen oder unkontrollierten Blutzuckerschwankungen schrecken viele vor sportlichen Aktivitten zurck. Ein Consensus Papier internationaler Diabetologen fasst aktuelle Empfehlungen zum Diabetesmanagement bei regelmigem Training zusammen - nachzulesen im Fachjournal 'The Lancet Diabetes & Endocrinology'.

Ein gesnderes Krpergewicht, ein niedrigerer Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c, ein geringeres Risiko fr Herzkreislauferkrankungen, bessere Blutfettwerte und geringerer Insulinbedarf - die positiven Effekte krperlichen Trainings liegen auf der Hand. Nicht zuletzt hebt Bewegung die Stimmung und steigert die allgemeine Lebensqualitt. Internationale Diabetes-Expertinnen und -Experten rufen rzte dazu auf, ihre Patienten zu krperlichem Training zu ermutigen und ihnen die Angst vor Stoffwechselentgleisungen zu nehmen.

Sie empfehlen fr Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes mindestens 60 Minuten krperliche Aktivitt jeden Tag, und fr Erwachsene immerhin noch 150 Minuten in der Woche, wobei nicht mehr als zwei Tage in Folge trainingsfrei bleiben sollten.

Das Wissen ber die physiologischen Vorgnge whrend verschiedener Trainingsarten hilft, den Sport sicher und effektiv zu gestalten. Die Unterschiede im Zuckerstoffwechsel und der Reaktion auf krperliche Belastung sind jedoch sehr individuell. Das Fhren eines Sporttagebuches oder eines persnlichen Protokolls ist daher in jedem Fall sinnvoll, auch als Grundlage fr die Besprechung mit rztlichen oder diabetologischen Betreuern. Generell sollten die Blutzuckerwerte vor, whrend und nach dem Training besonders sorgfltig berwacht werden. Vor dem Training ist ein Blutglukosewert von 126-180 mg/dl fr die meisten Patienten empfehlenswert. Besondere Vorsicht ist geboten bei Glukosewerten unter 90 mg/dl. Vor krperlicher Aktivitt sollte in jedem Fall Glukose zugefhrt werden, um eine Unterzuckerung zu vermeiden. Liegt eine berzuckerung (Hyperglykmie) vor (mehr als 250 mg/dl Blutglukose) oder eine Ketonurie/Ketonmie, muss mit Insulin gegengesteuert werden.

Aerobes Ausdauer-Training wie Jogging, Walking, Radfahren oder Schwimmen fhrt zu sinkenden Blutzuckerwerten. Hier sollte das Basalinsulin vor der sportlichen Ttigkeit reduziert werden, oder auch vor und whrend des Trainings Kohlenhydrate zugefhrt werden.

Training im anaeroben Bereich, wie zum Beispiel Kraft- oder Sprinttraining, sorgt meist fr stabilere Blutzuckerwerte, kann jedoch sogar mit einem vorbergehenden Anstieg der Blutzuckerwerte einhergehen. Ein Gegensteuern mit Insulin sollte hier jedoch sehr vorsichtig erfolgen, da es - wie beim aeroben Training auch - zu einer verzgerten Unterzuckerung (Hypoglykmie) in der Erholungsphase kommen kann. Vor allem, wenn das Training nachmittags oder abends erfolgt, steigt das Risiko nchtlicher Unterzuckerungen.

Kontinuierliches Glukose-Monitoring (CGM) bietet die beste Mglichkeit, immer den berblick ber die aktuellen Zuckerwerte zu haben. Allerdings kann es whrend des Trainings eine grere Zeitverzgerung zwischen dem tatschlichen Blutzuckerwert und dem gemessenen Gewebezucker geben. Mittlerweile gibt es auch Systeme, welche die aktuellen Zuckerwerte via Smartphone an andere Nutzer bertragen. So knnen beispielsweise Eltern die Werte ihrer Kinder beim Sport durchgehend im Blick haben.

Quelle: Riddell, M.C., et al., Exercise Management in type 1 diabetes: a consensus statement. In: The Lancet Diabetes & Endocrinology, 2017, published online January 23.

zuletzt bearbeitet: 23.02.2017 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Diabetes-Portal DiabSite startet Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.