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Diabetes und Sport - vorher den Kopf anschalten!

Bei Typ-2-Diabetes spezielle Schuhe für Sport und Wandern empfohlen

Orthese Diabetiker nach Fuß-Teilamputation Fantastisch - ein Diabetiker will Sport treiben, ideal fr sein Krpergewicht und seinen Blutzuckerspiegel. Ideal um seine Erkrankung positiv zu beeinflussen. Aber jetzt nicht einfach loslegen! Im Fu (und Schuh!) lauert eine groe Gefahr: Amputation wegen Diabetes.

Warum lauert die Gefahr in den Fen?

Der Diabetiker Typ 2 leidet aufgrund seiner Erkrankung oft an Sensibilittsverlust und Empfindungsstrungen in den Fen - Polyneuropathien.

Das hat zur Folge, dass er seinen Fu nicht oder nicht mehr richtig spren kann. Das klingt zunchst positiv: Was man nicht sprt, kann einen ja nicht stren oder schmerzen - denkt man. Aber genau darin liegt die Gefahr. Dadurch, dass man nichts sprt - keinen Stein, keine Scherbe, kein Scheuern -, kann man sich auch nicht selbst vor Schaden bewahren. Gerade der Schmerzreiz hat ja eine Funktion: Der Mensch soll von weiterem Tun dieser Art ablassen, um den Krper zu schtzen. Schmerz hat Warn- und Schutzfunktion. Diese entfllt bei Menschen, die unter dem sog. Diabetischen Fusyndrom leiden - der Hauptfolge von Diabetes mellitus.

Jeder Orthopdieschuhmacher kann blumig darber erzhlen, was in seinem Laden so alles aufgelaufen ist. Da ist es der Nordic Walker, der unbemerkt einen Nagel im Schuh und Fu hatte, oder der Fahrradfahrer, der den reibenden Schuh nicht bemerkte und tiefe, blutende Wunden an der Hacke hat.

Und das ist nicht lustig: Diese Verletzungen sind fr den Diabetiker hoch gefhrlich. Wunden heilen nur schlecht. Sie werden zum sog. Ulcus (Geschwr). Dieser ist nur schwer wieder heilbar, ist man Diabetiker. Wenn man die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes "so laufen lsst", ist meist eine Amputation unvermeidbar. Vielleicht erst nur ein Teil des Fues; aber schon der Grozeh ist extrem wichtig fr Stabilitt beim Laufen und Stehen. Oft muss auch der gesamte Fu oder ein Teil des Fues amputiert werden. Bis zu 40.000 Amputationen im Jahr wegen Diabetes schtzt man. Das gilt es zu verhindern. - Und Sport soll doch gesund sein! Und das groe Problem im Nachgang - abgesehen von der verlorenen Mobilitt und dem Verlust des Krperteils: Nachfolgeamputationen sind dann meist schon vorprogrammiert. Die Sterblichkeitsrate ist besonders erhht. Eine stndige Fukontrolle ist extrem wichtig. Fupflege und -kontrolle durch medizinisch vorgebildete Podologen ist dringend anzuraten. Der Gang zum Arzt, Diabetologen und Orthopdieschuhmacher sollte auch immer eine Fukontrolle beinhalten.

Und der normale Sport- oder Laufschuh, so gut er auch sein mag, ist Gift fr den Diabetiker! Unbedingt den Orthopdieschuhmacher vorher kontaktieren.

Der Orthopdieschuhmacher gibt Rat vor einem Kauf. Und er kann spezielle Wander- und Sportschuhe fr den Diabetiker anmessen, bestellen und individuell zurichten. Und er kann sogar Diabetiker Sport- oder Wanderschuhe komplett fertigen.

Besonderheiten beim Diabetiker-Sportschuh

Wichtig ist, dass der Diabetiker eine besondere druckentlastende Bettung im Schuh braucht, die diabetische Fubettung. Sogenannte Druckspitzen mssen vermieden werden, damit der Fu keinen Schaden nimmt. Und beim Sport ist der Druck auf den Fu immens erhht - durch die Krfte, die auf den Fu wirken, und z. T. auch durch hhere Lasten (Gewichte, Rucksack).

Der Schuh muss sehr weich und ohne innen liegenden Nhte, die scheuern oder drcken knnen, sein. Aber Vorsicht, da reicht auch nicht ein einfacher Soft- oder Leicht-Sportschuh! Beim Sport muss zudem ganz besonders auf Stabilitt und Halt geachtet werden. Der Sportschuh des Diabetikers darf nirgendwo drcken. Aber gleichzeitig darf er nicht zu weit sein, denn ein Herausrutschen oder Blasen mssen unbedingt vermieden werden. Die Zehenfreiheit muss gewhrleistet sein. Gerade beim Sport sind die Kraftmomente, die auf den Fu wirken, wesentlich hher als beim normalen Gehen. Man denke nur an die hohen Belastungen im Vorfu bei Sportarten wie Fuball, Handball, Tennis oder Tanzen.

Und jede Sportart ist anders und muss daher anders versorgt werden: Rehasport/-Gymnastik hat die Belastung immer wieder an anderen Stellen des Fues. Und Nordic Walken und Wandern haben Belastung auf der Ferse beim Abrollen und auf dem Vorderfu. Dadurch wirken komplizierte Scherkrfte auf den Fu. Und gerade beim Wandern darf man nicht vergessen, dass ja ggf. auch unter Last (Rucksack) gewandert wird und so noch mehr Druck auf die Fe kommt - mal ganz abgesehen von dem vielleicht hohen Krpergewicht. Und das, wo der Fu doch druckfrei gehalten werden soll. Das Futter des Sport- oder Wanderschuhs sollte nicht aus Leder sein. Denn es birgt die Gefahr, dass es durch Fuschwei verhrtet - Druckstellen wren vorprogrammiert. Es gibt spezielle Schuhfutter fr Diabetiker, die genau das verhindern.

Und die Diabetiker-Sportschuhe sind in der Regel fast nahtfrei verarbeitet. Auch ist der vordere Schuhteil anders gestaltet als bei normalen Sportschuhen, deren Vorderkappe (Schuhspitze) die Zehen nicht vor Druckstellen schtzt.

Will man normale Sportschuhe nutzen und zurichten lassen, ist wichtig dass die Vorderkappe fehlt oder nicht ber die Zehen hinausgeht. Und der Sportschuh muss geeignet sein, eine starke Einlage oder eine diabetesadaptierte Fubettung (druckschtzende Bettung fr den Diabetiker) aufzunehmen.

Gar nicht so einfach fr den Laien! Also: Unbedingt erst mit dem Orthopdieschuhmacher sprechen, bevor berhaupt berlegt wird, einen normalen Sportschuh zu erwerben. Und fr ganz Schlaue: Der Orthopdieschuhmacher kann solche ideal diabetikergeeigneten bestellen, die er auch gut individuell auf den Kunden zurichten/umarbeiten kann.

Wie macht der Orthopdieschuhmacher das?

Spezielle Analysetechniken wie Fuabdruck, Ganganalyse etc. helfen dem Orthopdieschuhmacher, den individuellen Schuh fr jeden Diabetiker anzupassen. Laufende Kontrolle von Fu und Schuh ist angesagt. Jede Vernderung muss sofort bemerkt werden; es muss gegengesteuert werden. So kann durch einen Diabetischen Schutzschuh meist verhindert werden, dass irgendwann eine Amputation ntig wird. Ein hoher Aufwand fr die Gesundheit jedes einzelnen Diabetikers. Aber lohnt das auch?

Warum ist Sport fr den Diabetiker so wichtig?

Das Insulin reguliert den Zuckergehalt im Blut. Je hher der Zuckerwert desto mehr Insulin schttet der Krper aus. Denn das Insulin ist quasi der Schlssel, der dem Zucker den Zugang zu den Muskelzellen ermglicht - als Energielieferant.

Ist das Krpergewicht hoch, wirkt das Insulin nicht mehr richtig. Und - der Zucker/die Energie kommt dadurch nicht mehr richtig zu den Muskelzellen.

Also: Ideales Krpergewicht ist wichtig fr die gute Diabetes-Therapie - ein Grund fr Sport. Und: Sport senkt den Blutzuckerspiegel. Ein gut eingestellter Langzeit-Blutzuckerspiegel verhindert die gefrchteten Folgeerkrankungen des Diabetes.

Wie kommt man an Diabetische Schutzschuhe und Sportschuhe?

Ab einem bestimmten Stadium von Diabetes Typ 2 und/oder weiteren Fudeformitten wird der Arzt auch magefertigte Diabetesschutzschuhe verschreiben. Der Diabetiker hat - weil er nie in normalen Schuhen laufen darf - Anspruch auf 2 Paar Straenschuhe alle 2 Jahre, und 1 Paar Hausschuh alle 4 Jahre. Bei offenen Wunden kann auch alle 4 Jahre ein Schuh fr Reha-Sport verschrieben werden. Aber was ist bei anderen Sportarten? Was bei - zum Glck - noch wundfreien Fen? - Leider kein Rezept erlaubt.

Der Zentralverband Orthopdieschuhtechnik kmpft dafr, dass generell Sportschuhe fr Diabetiker verschrieben werden knnen. Und auch Schuhe fr andere Sportarten mssen auf Rezept mglich werden. Denn -Sport und damit gesundheitsbewusstes Verhalten - des Diabetikers funktionieren nur gesund mit Sport-Diabetikesschutzschuhen.

Die Alternative derzeit: Die Leistungen des Orthopdieschuhmachers kann man grundstzlich natrlich auch selbst in Anspruch nehmen. Gesundheit und Verhinderung einer Amputation sollten einem das wert sein. Hat aber der Arzt einen Diabetischen Schutzschuh oder eine besondere Bettung verschrieben, erfolgt die Leistung zu Lasten der Krankenkasse. Viele Krankenkassen versuchen oft, sich zwecks Kostenreduzierung auf konfektionierte Diabetikerschuhe zu verlagern. Das passt aber oft nicht bei der besonderen individuellen Fusituation, insbesondere nicht bei sehr breiten oder verformten Fen.

Wenn zustzlich zum Diabetes noch andere Erkrankungen oder Behinderungen bestehen, muss der Diabetische Schutzschuh zudem noch die schuhorthopdische Versorgung fr z. B. einen Senkfu, Hallux valgus, o. a. vorsehen. Das muss der Arzt auf dem Rezept ausweisen. Gesetzlich Versicherte mssen den gesetzlichen Eigenanteil fr Hilfsmittel i.H.v. 10,- Euro zahlen. Bei Anfertigung eines orthopdischen Maschuhs (z. B. fr Rehasport) fllt zudem ein Bekleidungsanteil von 76,- Euro an. Private Krankenversicherungen erstatten ebenfalls, wenn der Arzt ein Rezept ausgestellt hat, entsprechend den Versicherungsbedingungen.

Und wie schaut er aus - der Diabetiker-Sportschuh?

Ganz neu auf dem Markt sind Diabetiker-Sportschuhe, die der Orthopdieschuhmacher individuell anpassen kann: Und: Orthopdieschuhmacher knnen einen kompletten individuellen Sport-Maschuh fr einen Diabetiker auch in Handarbeit fertigen. Der Schuh ist grundstzlich etwas voluminser als der normale Sportschuh. Aber das Design kann dies optisch verbergen. Und er kann natrlich auch mit modischem Design hergestellt werden. Wie htten Sie ihn denn gerne - in Vereinsfarben? Mit Applikationen? Einem netten Spruch, der den inneren Schweinhund "kalt stellt"?

Bildunterschrift: Orthese Diabetiker nach Fu-Teilamputation
Bildquelle: Zentralverband Orthopdieschuhtechnik (ZVOS)
Foto: fotogloria

zuletzt bearbeitet: 13.05.2017 nach oben

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