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G-20-Gipfel der Gesundheitsminister in Berlin

Die größten Gesundheitsprobleme fehlen auf der Agenda

Am 19./20. Mai 2017 treffen sich erstmals die Gesundheitsminister der zwanzig fhrenden Industrie- und Schwellenlnder in Berlin zu einem Gesundheitsgipfel. Schwerpunkte der Konferenz sollen die Verbesserung des Krisenmanagements bei infektisen Krankheitsausbrchen und der Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen sein. Die Deutsche Allianz Nichtbertragbare Krankheiten (DANK) begrt die Initiative der Bundesregierung, Gesundheit erstmalig zu einem G-20-Thema zu machen. Allerdings weist sie darauf hin, dass die wichtigsten Krankheiten, die weltweit die meisten vorzeitigen Todesopfer fordern, nicht auf der Tagesordnung stehen. DANK fordert die Bundesregierung darum auf, die Bekmpfung nichtbertragbarer Krankheiten wie Herz-Kreislaufleiden, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD) auf die Agenda zu setzen.

"Das Gesundheitswesen in Entwicklungs- und Schwellenlndern zu strken, um knftige Epidemien besser zu bewltigen, ist zweifellos ein wichtiges Anliegen", sagt Dr. Dietrich Garlichs, Sprecher von DANK, einem Zusammenschluss von zwanzig medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbnden und Forschungseinrichtungen. Gleiches gelte fr die Eindmmung von Antibiotika-Resistenzen. "Dennoch darf die Politik nicht aus den Augen verlieren, dass nichtbertragbare Krankheiten inzwischen weltweit Todesursache Nummer eins sind, mit groem Abstand vor den traditionellen Infektionskrankheiten oder Infektionen durch multiresistente Keime", betont Garlichs.

Die Verringerung der vorzeitigen Sterblichkeit infolge von nichtbertragbaren Krankheiten ist Bestandteil der nachhaltigen Entwicklungsziele der Vereinten Nationen. Diese Themen befinden sich bisher nicht auf der Agenda fr das G-20-Treffen der Gesundheitsminister in Berlin. Damit versumt es die deutsche Gesundheitspolitik, die Prvention und Bekmpfung der grten heutigen Gesundheitskatastrophen zum Thema zu machen.

Die dramatische Entwicklung in diesem Bereich ist der Bundesregierung bekannt. "Nicht nur in Industrie- und Schwellenlndern, sondern zunehmend gerade in Entwicklungslndern zhlen nichtbertragbare chronische Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD) zu den hufigsten Todesursachen", heit es in einem Konzept der Bundesregierung zu "Globale Gesundheitspolitik gestalten - gemeinsam handeln - Verantwortung wahrnehmen". Die wichtigsten Risikofaktoren fr nichtbertragbare chronische Krankheiten seien Fehlernhrung, mangelnde krperliche Aktivitt, Tabak- und exzessiver Alkoholkonsum. Zur Eindmmung dieser Krankheiten msse die Prvention im Mittelpunkt stehen, stellt die Bundesregierung fest. "Diese umfasst Gesundheitsfrderung, Regulierung und Gesundheitsgesetzgebung."

Hier sollte die Bundesregierung jetzt beim G-20-Gesundheitsministertreffen ansetzen. "Es ist hchste Zeit, auf internationaler Ebene effektive Strategien zu entwerfen", sagt Professor Dr. med. Manfred James Mller, Vorstandssprecher des Kompetenznetz Adipositas und Vertreter der Deutschen Adipositasgesellschaft. Geeignete Prventionsmanahmen seien eine Erhhung der Tabak- und Alkoholsteuer, die Einfhrung einer Zucker-Fett-Salzsteuer und eine tgliche Stunde Bewegung oder Sport in Kita und Schule.

"Das Ziel muss sein, die Verhltnisse so umzugestalten, dass den Menschen die Entscheidung fr eine gesunde Lebensweise leichter gemacht wird", betont Mller. Der Kieler Ernhrungsmediziner schliet sich der Generalsekretrin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an - Margaret Chan kommentierte das Versagen der Nationalstaaten, die bergewichts-Epidemie zurckzudrngen, mit den Worten: "Hier geht es nicht um einen Mangel an individueller Willenskraft, sondern um den fehlenden politischen Willen, 'big business' die Stirn zu bieten."[*] DANK appelliert an die Bundesregierung die Chance zu nutzen, die Prvention des weltweit grten Gesundheitsproblems zum Thema des G-20-Gipfels zu machen.

ber die Deutsche Allianz Nichtbertragbare Krankheiten (DANK)

Die Deutsche Allianz Nichtbertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 20 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbnden und Forschungseinrichtungen, der sich fr nachhaltige und bundesweite Primrprvention in Deutschland einsetzt. Denn nichtbertragbare Krankheiten sind weltweit Todesursache Nummer eins. In Deutschland gehen rund zwei Drittel der vorzeitigen Todesflle darauf zurck, z. B. auf Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und chronische Atemwegserkrankungen (COPD). Nichtbertragbare Krankheiten brden PatientInnen und Familien viel Leid und der Gesellschaft enorme Kosten auf. Mit geeigneten Prventionsmanahmen sind diese Krankheiten hufig vermeidbar.

DANK fokussiert dabei auf folgende Ziele und Manahmen aus dem WHO Global Action Plan for the Prevention and Control of NCDs 2013-2020, da diese besonders wirksam sind:

  1. Reduzierung des Tabakkonsums (u. a. durch regelmige, sprbare Tabaksteuererhhungen)
  2. Verringerung des schdlichen Alkoholkonsums (u .a. durch Erhhung der Alkoholsteuer und Erhebung nach Alkoholgehalt)
  3. Verhinderung der Zunahme von Diabetes und Adipositas (u. a. durch eine Zucker-Fett-Salzsteuer)
  4. Steigerung der krperlichen Aktivitt (u. a. durch eine tgliche Sportstunde in Kita und Schule)

Quellen

* Zitat von Margaret Chan: "Not one single country has managed to turn around its obesity epidemic in all age groups. This is not a failure of individual will-power. This is a failure of political will to take on big business…. When industry is involved in policy-making, rest assured that the most effective control measure will be downplayed or left out entirely.". Im Internet unter: http://www.who.int/dg/speeches/2013/healthpromotion20130610/en/

zuletzt bearbeitet: 18.05.2017 nach oben

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