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Diabetische Augenschädigungen schwer therapierbar

Kann eine normnahe Blutzuckereinstellung die diabetische Retinopathie verhindern?

Dr. Stefanie Hauck (links) und Dr. Alice Ly Schdigungen der Netzhaut durch Diabetes lassen sich trotz adquater Therapie nur teilweise verbessern. Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums Mnchen haben herausgefunden, dass eine medikamentse Behandlung nur etwa die Hlfte der vernderten Netzhaut-Proteine positiv beeinflusst. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift 'Diabetologia' publiziert.

Augenschdigungen gehren zu den hufigsten Folgekomplikationen bei Diabetes, etwa 90 Prozent der Typ-1-Diabetiker und 75 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind davon betroffen. Die sogenannte diabetische Retinopathie ist laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) der hufigste Grund fr eine Erblindung bei Erwachsenen im berufsttigen Alter, Tendenz steigend.

Die Netzhaut ist der Teil des Auges, der optische Bilder in Nervensignale umwandelt und zur Wahrnehmung ins Gehirn leitet. Am Prozess der Signalbertragung sind zahlreiche Proteine und Molekle beteiligt. Diabetische Netzhautschden fhren zu einer beeintrchtigen Funktion dieser Proteine. Die Wissenschaftler von der Abteilung Proteinanalytik (PROT) und dem Institut fr Experimentelle Genetik (IEG) am Helmholtz Zentrum Mnchen (HMGU) haben im Rahmen der Forschungsprojekte des Deutschen Zentrums fr Diabetesforschung (DZD) nun untersucht, wie eine medikamentse Therapie diese Signaltrger beeinflusst.

Sie verglichen die Konzentrationen der Proteine in der Netzhaut von gesunden Musen, Musen mit Typ-2-Diabetes ohne Therapie und Typ-2-Diabetes-Musen, die mit dem Standardtherapeutikum Metformin behandelt wurden, welches den Blutzucker senkt und damit diabetische Folgeschden reduziert. Insgesamt 98 Proteine lagen bei den diabetischen Tieren in vernderten Mengen vor. Etwa die Hlfte davon konnte durch die Therapie mit Metformin normalisiert werden. Die anderen Proteine dagegen blieben trotz Behandlung und verbesserter Blutzuckerwerte unverndert - darunter auch das Protein VGLUT1, das essentiell fr die Reizbertragung an bestimmten Nervenzellen ist.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass normalisierte Blutzuckerwerte allein nicht ausreichen, um diabetische Augenschdigungen vollstndig zu therapieren." sagt Erstautorin Dr. Alice Ly (PROT). "In weiteren Studien wollen wir untersuchen, wie sich verschiedene Kombinationstherapien auf die retinalen Proteine auswirken, um ein besseres Verstndnis fr Ursachen und Behandlung dieser diabetischen Folgeerkrankung zu erreichen." ergnzt Dr. Stefanie Hauck (PROT).

Die groen Volkskrankheiten, wie Typ-2-Diabetes, stehen im Fokus der Forschung am Helmholtz Zentrum Mnchen. Ziel ist es, neue Anstze fr Diagnostik, Therapie und Prvention zu entwickeln.

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Das Helmholtz Zentrum Mnchen verfolgt als deutsches Forschungszentrum fr Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin fr die Diagnose, Therapie und Prvention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafr untersucht es das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Mnchens. Das Helmholtz Zentrum Mnchen beschftigt rund 2.000 Mitarbeiter und ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 34.000 Beschftigten angehren. Das Helmholtz-Zentrum Mnchen ist Partner im Deutschen Zentrum fr Diabetesforschung e.V.

Das Deutsche Zentrum fr Diabetesforschung e.V. bndelt Experten auf dem Gebiet der Diabetesforschung und verzahnt Grundlagenforschung, Epidemiologie und klinische Anwendung. Mitglieder des Verbunds sind das Deutsche Diabetes-Zentrum DDZ in Dsseldorf, das Deutsche Institut fr Ernhrungsforschung DIfE in Potsdam-Rehbrcke, das Helmholtz Zentrum Mnchen - Deutsches Forschungszentrum fr Gesundheit und Umwelt, die Paul Langerhans Institute des Carl Gustav Carus Universittsklinikums Dresden und der Eberhard-Karls-Universitt Tbingen sowie die Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. und die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren. Ziel des DZD ist es, ber einen neuartigen, integrativen Forschungsansatz Antworten auf offene Fragen in der Diabetesforschung zu finden und einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung von Prvention, Diagnose und Therapie des Diabetes mellitus zu leisten.

Die selbststndige Abteilung Proteinanalytik (PROT) erforscht die Zusammensetzung von Proteinkomplexen und deren Integration in zellulre Prozesse und Proteinnetzwerke. Ein Schwerpunkt ist die Analyse des Zusammenwirkens von genetischer Varianz und Umweltfaktoren bei neurodegenerativen und Stoffwechsel-Erkrankungen. Ziel ist es, biologische Systeme und krankheitsassoziierte Strungen auf systemischer Ebene zu erkennen und so Beitrge zum molekularen Verstndnis von Erkrankungen zu erarbeiten.

Ziel der Forschung des Instituts fr Experimentelle Genetik (IEG) ist, Ursachen und Entstehung menschlicher Erkrankungen zu verstehen. Durch seine leitende Funktion in interdisziplinren und internationalen Konsortien hat das IEG eine weltweit fhrende Position in der systemischen Untersuchung von Mausmodellen fr Krankheiten des Menschen und der Aufklrung von beteiligten Genen. Schwerpunkt bilden dabei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Das IEG ist Grnder der Deutschen Mausklinik (GMC) und leitet das Europische Maus Mutanten Archiv  EMMA). Zudem koordiniert das IEG die europische Forschungsinfrastruktur Infrafrontier (ESFRI). Das IEG ist Teil des Helmholtz Diabetes Center (HDC). Dem IEG gehrt die Abteilung Genomanalysezentrum (GAC) an, die die Entwicklung komplexer Krankheiten und den Umwelteinfluss bei ihrer Entstehung untersucht.

Quellen

Ly, A. et al. (2013), Retinal proteome alterations in a mouse model of type 2 diabetes, Diabetologia, doi: 10.1007/s00125-013-3070-2. Link zur Fachpublikation

Bildunterschrift: Dr. Stefanie Hauck (links) und Dr. Alice Ly
Bildquelle: Helmholtz Zentrum Mnchen

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zuletzt bearbeitet: 02.10.2013 nach oben

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