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diabetesDE zum Welttag des Sehens

Sehbehinderung bei Diabetes vorbeugen

Mehr barrierefreie Hilfsmittel für Betroffene entwickeln

Die Stoffwechselerkrankung Diabetes kann im Laufe der Erkrankungszeit auch Folgen fr die Augen haben: So weisen bis zu einem Drittel aller Menschen mit Diabetes Typ 2 bei ihrer Diagnose eine leichte Vernderung der Netzhaut auf. Eine "diabetische Retinopathie" zeigt lange Zeit keine Symptome. Treten schlielich Sehstrungen auf, knnen die Schdigungen an der Netzhaut bereits so weit fortgeschritten sein, dass sie zu dauerhafter Sehbehinderung oder gar Erblindung fhren. Fr davon Betroffene sind nach wie vor kaum barrierefrei konzipierte Hilfsmittel und Technologien fr die tgliche Selbsttherapie auf dem Markt. Darauf weist diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe anlsslich der Aktionstage "Welttag des Sehens" am 12. Oktober 2017 und dem "Tag des weien Stocks" am 15. Oktober 2017 hin.

Ursache fr eine "diabetische Retinopathie? sind dauerhaft erhhte Blutzuckerwerte. Sie knnen die feinen Blutgefe der Netzhaut unwiderruflich schdigen. Tckisch ist, dass Betroffene in der frhen Phase davon zunchst nichts bemerken. Im fortgeschrittenen Stadium bilden sich neue Gefe, die bis in die Netzhaut oder den Glaskrper vordringen. Die Gefe werden durchlssig und brchig, Blut tritt in das umliegende Gewebe aus. Bestimmte Anzeichen knnen darauf hinweisen, zum Beispiel pltzlich auftretende Leseschwierigkeiten, verzerrtes oder verschwommenes Sehen. Auch sogenannter "Ruregen", das Wahrnehmen vieler kleiner schwarzer Punkte vor dem Auge, ist ein typisches Symptom.

"Um dem vorzubeugen, sollten sowohl Menschen mit Typ 1 als auch mit Typ-2-Diabetes regelmig die Augen untersuchen lassen", sagt diabetesDE-Vorstandsvorsitzender Dr. med. Jens Krger. In frhen Stadien lassen sich Netzhautvernderungen aufhalten. Menschen mit Typ-1-Diabetes sollten ab dem 11. Lebensjahr oder ab dem fnften Erkrankungsjahr eine Netzhautkontrolle nach vorheriger Pupillenerweiterung erhalten. Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 sollte direkt nach der Diabetes-Diagnose die Netzhaut untersucht werden.

Liegen noch keine Schdigungen an der Netzhaut vor und bestehen keine allgemeinen Risiken wie ein erhhter Langzeitblutzuckerwert, eine lngere Diabetesdauer, ein hoher Bluthochdruck oder eine Nierenerkrankung, werden Kontrolluntersuchungen alle zwei Jahre empfohlen. Bei hohem Risiko sind jhrliche Untersuchungen wichtig. Bei bereits bestehender Retinopathie knnen die Untersuchungsabstnde auch individuell krzer als jhrlich sein. Neben der regelmigen Augenkontrolle beim Arzt ist auch eine gute Stoffwechseleinstellung mitentscheidend. "Ein wichtiger vorbeugender Faktor ist, dass Menschen mit Diabetes mit ihrem Arzt/rztin besprechen, wo ihr anzustrebender Blutzuckerzielbereich liegt und mit welchen Manahmen/Therapien sie den am besten erreichen knnen", betont Dr. Krger. Zum anderen sollte auch der Blutdruck gut eingestellt sein. Als Zielwert fr den Blutdruck gilt 140/85 mmHg.

"Wer aufgrund seiner Diabeteserkrankung sehbehindert oder gar blind wird, luft auch Gefahr, seine Selbststndigkeit im Alltag zu verlieren", sagt Diana Droel, stellvertretende Vorsitzende von diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe, Diabetesberaterin und selbst an Typ-1-Diabetes erkrankt sowie seit 1982 erblindet. Denn fr die tgliche Selbsttherapie notwendige Blutzuckermessgerte, Insulinpumpen, Insulinpens, Blutglukosemesssysteme, solche zum kontinuierlichen Glukosemonitoring oder diabetesbezogene Apps sind derzeit berwiegend nur fr sehende Menschen geeignet.

"Blinde und Sehbehinderte bentigen daher zum Blutzuckermessen und fr Insulingaben stndig Assistenz durch Pflegedienste oder Angehrige. Mit standardmig barrierefrei konzipierter Technik, die Messwerte und Insulindosen akustisch bermittelt, knnten Betroffene eigenstndig sein", erklrt Droel. Eigentlich sollte das Angebot fr barrierefreie medizintechnische Hilfsmittel fr Menschen mit Diabetes angesichts der demografischen Entwicklung und der Verpflichtungen, die sich fr Lnder wie Deutschland aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergeben, weiter ausgebaut werden. Eine entsprechende gesetzliche Vorgabe fr Hersteller diabetesbezogener Medizintechnik wrde dazu beitragen.

Mit der Behindertenrechtskonvention habe sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, Menschen mit Behinderungen eine unabhngige Lebensfhrung und die volle Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermglichen. "Bei Apps kostet die Implementierung von solchen Angeboten nichts; dazu muss man bei der Programmierung nur die Grundanforderungen der Betriebssysteme bercksichtigen", so Droel. Schlecht gemachte Apps erkenne man schon allein an mangelnder bzw. fehlender Barrierefreiheit. Doch im Prinzip bten moderne Technologien viele Optionen, um behinderte und auch ltere Patienten wesentlich bei ihrer Diabetes-Therapie zu untersttzen, unterstreicht die Diabetesberaterin: "Daher fordern wir von der Regierung, Medizintechnikhersteller gesetzlich zu verpflichten, neue Produkte barrierefrei herzustellen."

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zuletzt bearbeitet: 10.10.2017 nach oben

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