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Deutscher Schmerz- und Palliativtag 2023 - Online - gestartet

Neu im Angebot ist das Curriculum "Diabetes und Schmerz"

Unter dem Motto "Sorgen und Versorgen - Schmerzmedizin konkret" begann heute der Deutsche Schmerz- und Palliativtag 2023. Zum Auftakt gaben die Kongresspräsidenten Dr. Johannes Horlemann und PD Dr. Michael A. Überall einen Überblick über die Themen des Kongresses. Direkt nach der Kongresseröffnung erinnerte Prof. Dr. Giovanni Maio, Freiburg, in seinem Exzellenzvortrag "Sorge als identitätsstiftendes Element in der Schmerzmedizin" daran, dass "nur die Sorge als Teil der ärztlichen Professionalität gewährleistet, dass wir eine gute Medizin verwirklichen können." Schirmherrin des Kongresses ist die Bundestagsabgeordnete Martina Stamm-Fibich.

Neben der Versorgungsforschung gehören die Palliativmedizin - inklusive erster Ergebnisse einer Umfrage zum ärztlich assistierten Suizid - invasive Verfahren, Kopfschmerzen mit Fokus auf die Primärversorgung, Psychotherapie in Zeiten knapper Ressourcen und das gesundheitspolitische Symposium zu den Schwerpunkten der diesjährigen Tagung. Hier startet auch das neue Curriculum "Diabetes und Schmerz", mit vier Stunden auf dem Deutschen Schmerz- und Palliativtag und weiteren acht Stunden im 1. Halbjahr 2023. "Die interdisziplinäre und interaktive Fortbildung richtet sich an Hausärzte, Diabetologen, Internisten, Schmerzmediziner und Angehörige weiterer Gesundheitsberufe und alle, die an der schmerzmedizinischen Versorgung von Menschen mit Diabetes beteiligt sind", so Horlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) e.V. Auf dem gesundheitspolitischen Symposium am Samstag werden die Themen "Sicherheit in der Bedarfsplanung" und "Cannabis in der Schmerzmedizin vor dem Hintergrund aktueller Legalisierungsbestrebungen" sowie die Förderung des schmerzmedizinischen Nachwuchses diskutiert. Aus Sicht der DGS ist eine rechtssichere Bedarfsplanung im Zuge der Stärkung der schmerzmedizinischen Versorgung von vorrangiger Bedeutung. Allgegenwärtig auf der Tagung sind die DGS-PraxisLeitlinien, etwa zu Tumorschmerz, Cannabis in der Schmerzmedizin und Kopfschmerz, sowie die DGS-PraxisLeitfäden zu Kreuz-/Rückenschmerzen und Fibromyalgie.

Unter dem Motto "Versorgung trifft Versorgungsforschung" gibt es erstmals, seitdem der Kongress online stattfindet, eine Posterausstellung. Ziel ist es, Versorgungsforscher und praktische Versorger zu vernetzen. Die bestbewerteten Poster werden noch während des Kongresses ausgezeichnet und im Hauptprogramm bekannt gegeben. Die Abstracts aller angenommenen Beiträge werden zudem in einer Sonderausgabe der Zeitschrift SCHMERZMEDIZIN elektronisch veröffentlicht. Für internationale Besucher bietet der Kongress zudem erstmalig auch Vorträge in englischer Sprache an.

Versorgungsforschung ist keine praxisferne Wissenschaft

Mit dem Schwerpunkt "Sorgen und Versorgen - die Zukunft der Schmerzmedizin konkret gestalten" nimmt der diesjährige Kongress zwei wesentliche Bereiche der Sorge um Menschen mit therapieschwierigen Schmerzen und deren bestmöglicher Versorgung in den Fokus. "Eine patientenorientierte und vor allem nicht nur proklamierend-fordernde, sondern auch konkrete einflussnehmende evidenzbasierte Schmerz- und Palliativmedizin kann aber nur dann zu den gewünschten nachhaltigen Verbesserungen der Patientenversorgung führen, wenn die verantwortlichen Akteure und Betroffenen an ihrer Entwicklung beteiligt werden", gab Überall, Vizepräsident der DGS und Präsident der Deutschen Schmerzliga, zu bedenken. Beiträge des Kongressprogramms zur Versorgungsforschung würden verdeutlichen, dass diese keine praxisferne Wissenschaft für Wenige sei. Sie sei vielmehr eine zentrale Aufgabe aller in der praktischen Versorgungsverantwortung stehenden Akteure - und hier vor allem der schmerzmedizinisch interessierten Ärztinnen und Ärzte. Erstmalig bietet der Kongress in diesem Jahr Module an, um die Kompetenz praktizierender Ärztinnen und Ärzte bezüglich der Wertigkeit und Sinnhaftigkeit wissenschaftlicher Studien für den Versorgungsalltag zu verbessern.

Plädoyer für Menschlichkeit in der Medizin

Gegen eine Überbetonung der Ökonomie und für eine Aufwertung der Zuwendung zum Patienten sprach sich Prof. Maio, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Freiburg und Direktoriumsmitglied des Interdisziplinären Ethikzentrums Freiburg aus. Die Menschlichkeit beziehe die Sorge um die Patienten mit ein. "Würden wir "Sorge" nicht als etwas Identitätsstiftendes in der Medizin betrachten, würden wir die Medizin zu einer rein verrichtenden Disziplin degradieren. Es wäre eine Disziplin der unpersönlichen Addition von Vorzügen, eine Disziplin der Reparatur. Nur die Sorge als Teil der ärztlichen Professionalität gewährleistet, dass wir eine gute Medizin verwirklichen können. Denn ohne Sorge würden wir die Zwischenmenschlichkeit ausklammern", so der Arzt und Philosoph. Er mahnte vor einem Rückfall in ein mechanistisches Menschenbild, von dem sich die Medizin eigentlich schon verabschiedet hätte. Leitlinien und Standards zu berücksichtigen, sei wichtig. "Eine gute Therapie setzt aber auch die Berücksichtigung der individuellen Lebensgeschichte der Patientinnen und Patienten voraus", betonte Prof.  Maio.

Fünf Kongresstage

Der Deutsche Schmerz- und Palliativtag 2023 dauert fünf Tage, von Dienstag, 14. März, bis Samstag, 18. März  023. Von Dienstag bis Freitag finden die Seminare und Symposien jeweils nachmittags bis abends statt - am Samstag vormittags. Im Anschluss stehen die meisten Vorträge in der Mediathek on demand bis Mitte Mai  023 zur Verfügung.

Anmeldungen sind über diesen Link möglich. Der Kongress wird bei der Ärztekammer Berlin zur Zertifizierung angemeldet.

zuletzt bearbeitet: 14.03.2023 nach oben

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