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Zahl der unentdeckten Diabetiker ist weitaus höher als angenommen

Pressemitteilung: Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut (DDFI)

Neueste Studienergebnisse zeigen erschütternde Zahlen

Dsseldorf: "Erschtternd" hufig ist in Deutschland ein unentdeckter Diabetes: Ging man bisher davon aus, dass auf zwei diagnostizierte Diabetiker mit einem Fall einer unentdeckten Zuckerkrankheit zu rechnen ist, so zeigen neueste Daten, dass die Situation noch weitaus gravierender ist: Demnach leiden 8,2 Prozent der 55- bis 74-Jhrigen an einem Diabetes mellitus, ohne dass dieser zuvor bekannt gewesen wre.

"Die Rate der nicht entdeckten Erkrankungen ist damit in dieser Altersgruppe ebenso hoch wie die Rate der bekannten Diabetiker", erklrte Dr. Wolfgang Rathmann vom Deutschen Diabetes-Forschungsinstitut in Dsseldorf bei der Prsentation der Resultate des sogenannten KORA Survey 2000 (Cooperative Health Research in the Region of Augsburg).

In der Erhebung wurde bei einer reprsentativen Stichprobe von 1.300 Einwohnern im Raum Augsburg im Alter zwischen 55 und 74 Jahren nach einem bisher unentdeckten Typ-2-Diabetes gefahndet. Das Ergebnis: 8,4 Prozent der Studienteilnehmer wussten, dass sie Diabetiker sind. Ebenso hoch aber war mit 8,2 Prozent die Zahl derjenigen, die ebenfalls eine diabetische Stoffwechsellage aufwiesen, dies jedoch nicht wussten. Mnner waren dabei deutlich hufiger betroffen als Frauen und das nach Rathmann vor allem in der Gruppe der 55 bis 60-Jhrigen. Nach Angaben des Wissenschaftlers muss somit hierzulande in der genannten Altersgruppe mit einem Anteil von 17 Prozent an Diabetikern gerechnet werden. "Damit ist die Diabeteshufigkeit in Deutschland eine der hchsten in Europa", so Rathmann.

Blutzucker: Bei 40 Prozent der 55 bis 74-Jhrigen finden sich Aufflligkeiten

Besonders bedenklich ist nach seinen Worten, dass ein Bluthochdruck sowie Fettstoffwechselstrungen bei den Betroffenen ebenso hufig waren wie bei Patienten mit bekanntem Diabetes. Das zeigt nach Rathmann klar, dass bereits ein deutlich erhhtes Risiko fr Herz-Kreislauferkrankungen besteht, auch wenn der Diabetes noch nicht ber Beschwerden in Erscheinung getreten ist.

Erschreckend ist nach den Worten des Mediziners ein weiterer Befund: Sieben Prozent hatten abnorme Nchtern-Blutzuckerwerte und bei rund 16 Prozent der Studienteilnehmer zeigte sich eine Art Vorstadium des Typ-2-Diabetes. Sie reagierten im Zuckerbelastungstest (oraler Glukosetoleranztest) mit Aufflligkeiten im Sinne einer gestrten Glukosetoleranz. Dabei ist bekannt, dass pro Jahr rund 6 Prozent der Personen mit einem solchen Befund einen Diabetes mellitus entwickeln werden. "Insgesamt wiesen somit nur etwa 60 Prozent der 55 bis 74-Jhrigen einen normalen Zuckerstoffwechsel auf", mahnte der Dsseldorfer Mediziner.

Das Ergebnis dokumentiert nach Professor Dr. Werner Scherbaum, Direktor der Klinik des Deutschen Diabetes-Forschungsinstitutes, dass die Anstrengungen zur Frherkennung des Diabetes in Deutschland unbedingt intensiviert werden mssen. Dieser Forderung schloss sich auch Professor Dr. Peter Bottermann, Mnchen, als Sprecher der Deutschen Diabetes-Gesellschaft an. Die Wissenschaftler sprachen sich jedoch nicht fr ein bevlkerungsweites Diabetes-Screening aus.

Effektiver ist die Erkennungsrate bei Personen mit den bekannten Risikofaktoren wie bergewicht, Bluthochdruck, zu hohen Blutfettwerten und/oder einer familiren Diabetes-Belastung. Durch ein einfaches Messen der morgendlichen Blutzuckerwerte wre nach Angaben der Wissenschaftler so die Mehrzahl der bis dato unentdeckten Diabetiker des KORA Survey zu entdecken gewesen.

Kooperierende Institutionen:
Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG)
Deutscher Diabetiker Bund (DDB)
Deutsche Diabetes-Stiftung (DDS)

zuletzt bearbeitet: 04.04.2003 nach oben

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