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Aktiv gegen Nervenschäden bei Diabetes

Experten präsentieren anlässlich des Deutschen Diabetes Kongresses aktuelle Erkenntnisse zur Polyneuropathie

Diabetes! Hören Sie auf ihre Füße? Nervenschäden in den Füßen, sogenannte Polyneuropathien, zählt zu den häufigsten und schwerwiegendsten Folgeerkrankungen des Diabetes. Trotzdem wird die Nervenschädigung oftmals erst spät erkannt und behandelt.[1,2] Anlässlich des Kongresses der Deutschen Diabetes Gesellschaft präsentierten Experten von der Nationalen Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie "Diabetes! Hören Sie auf ihre Füße?" aktuelle Daten und Fakten, die die Herausforderungen bei der Diagnose und Therapie der Erkrankung aufzeigen. Ein wichtiges und motivierendes Fazit für Betroffene: Sie können aktiv zum positiven Verlauf ihrer Erkrankung beitragen.

Etwa jeder dritte Mensch mit Diabetes ist von einer Polyneuropathie betroffen.[3] Bei etwa der Hälfte der Betroffenen äußert sich die Nervenschädigung durch Missempfindungen in den Füßen wie Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Brennen bis hin zu quälenden Schmerzen. In den anderen Fällen leiden die Nerven stumm: Schleichend lässt das Empfindungsvermögen der Füße nach.[4] Insbesondere die symptomlos verlaufenden Neuropathien bleiben häufig unerkannt[1]. "In beiden Fällen ist die Früherkennung aber äußerst wichtig", appellierte Prof. Dr. Dan Ziegler, Stv. Direktor am Institut für Klinische Diabetologie am Deutschen Diabetes-Zentrum an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Zum einen gilt es, dem Voranschreiten der Nervenschädigung und den Beschwerden in den Füßen möglichst frühzeitig entgegenzuwirken. Zum anderen müssen gefährliche Folgen des Sensibilitätsverlusts verhindert werden: Durch das nachlassende Gespür in den Füßen steigt das Risiko für schmerzlose Wunden, die sich zum diabetischen Fußsyndrom ausweiten können. Die Experten verweisen daher mit Nachdruck auf die Empfehlung der Deutschen Diabetes Gesellschaft, dass jede Person mit Diabetes mindestens einmal jährlich beim Arzt ihre Füße untersuchen lassen sollte.[5] Mit einfachen, schmerzlosen Tests kann der Arzt die Nervenfunktion in den Füßen überprüfen. Wie er dabei vorgeht, zeigt ein Video auf der Webseite der Aufklärungsinitiative (www.nai-diabetische-neuropathie.de/patienten-ratgeber).

Folgen der COVID-19-Pandemie

Wie wichtig Vorsorge- und Kontroll-Termine sind, hat die Covid-19 Pandemie verdeutlicht. Nicht zuletzt aus Sorge vor einer Infektion wurden Kontrolluntersuchung in Arztpraxen und Krankenhäusern während der Pandemie häufig nicht wahrgenommen, erklärte Prof. Dr. med. Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Krankenhaus Bad Cannstatt des Klinikums Stuttgart. Dem neuen Auftreten oder der Verschlimmerung einer Neuropathie sei damit durchaus Vorschub geleistet worden, sagte der Experte. Aktuelle Studien aus anderen Ländern zeigten außerdem, dass es durch eine verzögerte Vorstellung der Patienten mit diabetischem Fußsyndrom in geeigneten Einrichtungen zu schlimmeren Fuß-Komplikationen kam. Dadurch waren mehr Amputationen notwendig.

Frühzeitig und vielschichtig gegen Nervenschäden vorgehen

Warum und wie es bei Patienten mit Diabetes zur Nervenschädigung kommt, ist ein komplexes Geschehen. Ebenso vielschichtig sollte man dagegen vorgehen, wie Prof. Dr. med. Kristian Rett vom Endokrinologikum München erläuterte. Eine möglichst gute Blutzuckereinstellung sei eine wichtige Maßnahme. Aber das allein reicht nicht. Wie Rett ausführte, gibt es eine ganze Reihe weiterer Risikofaktoren, die relevant sind und daher zu berücksichtigen seien. Dazu zählen etwa bauchbetontes Übergewicht, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen. Die motivierende Botschaft: Durch eine gesunde Lebensweise mit einer bewussten Ernährung und regelmäßiger Bewegung können viele Risikofaktoren auf einmal verbessert werden. Die Eigeninitiative der Patienten leistet daher sowohl bei der Diagnose als auch bei der Therapie einen entscheidenden Beitrag.

Wichtig ist zudem eine ausreichende Versorgung mit Vitamin B1. Das Vitamin wird für die Funktion zentraler Enzyme des Zucker-Stoffwechsel benötigt. Bei einem Mangel an dem Vitamin, wie er in verschiedenen Studien bei Diabetes-Patienten nachgewiesen wurde ([6,7,8]), arbeiten diese Enzyme mit gebremster Kraft. Dadurch können sich Zwischenprodukte des ohnehin überlasteten Zuckerabbaus anhäufen und vermehrt in gewebeschädigende Substanzen umgewandelt werden. Da der Körper das herkömmliche Vitamin B1 aus der Nahrung nur in begrenzter Menge aufnehmen kann, eignen sich zum Ausgleich eines nervenschädigenden Mangels Präparate mit der fettlöslichen Vitamin-B1-Vorstufe Benfotiamin. Das Provitamin geht leichter vom Darm in die Blutbahn über, wodurch es in deutlich höheren Konzentrationen in den Körper und zum Nervengewebe gelangt. In Studien führte eine Behandlung mit Benfotiamin bei Patienten mit Diabetes und Neuropathien zur Verbesserung der Symptome wie Kribbeln, Brennen und Taubheit in den Füßen.[9]

Blick auf die Füße

Nicht zuletzt sollten Menschen mit Diabetes auf geeignetes Schuhwerk achten, ihre Füße sorgfältig pflegen und täglich kontrollieren, um unbemerkte Veränderungen und Verletzungen rechtzeitig wahrzunehmen. Wichtige Informationen, Tipps und Videos rund um die diabetische Neuropathie und die Gesunderhaltung der Füße bietet die Nationale Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?" auf ihrer Webseite unter www.nai-diabetische-neuropathie.de an.

Über die Nationale Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie: Die Aufklärungsinitiative wird von Wörwag Pharma in Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes Stiftung (DDS) und einem wissenschaftlichen Beirat aus renommierten Experten der Diabetologie und Neurologie getragen. Sie informiert seit 2013 sowohl Patienten als auch Fachkreise über die diabetische Neuropathie, schärft das Bewusstsein für die folgenschwere Erkrankung, stellt Service-Material zur Verfügung und führt wissenschaftliche Studien durch. Ziel der Aktivitäten ist es, die Früherkennung der Erkrankung zu fördern, um schwerwiegende Komplikationen wie das diabetische Fußsyndrom zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.

Weitere Informationen: ww.nai-diabetische-neuropathie.de

Quelle

Online-Expertengespräch "Aktuelles zur diabetischen Neuropathie" am 12. Mai 2021 anlässlich des Diabetes-Kongresses 2021; Veranstalter: Nationale Aufklärungsinitiative zur diabetischen Neuropathie "Diabetes! Hören Sie auf Ihre Füße?"

Literatur

  1. Ziegler D et al. Painful and painless neuropathies are distinct and largely undiagnosed entities in subjects participating in an educational initiative (PROTECT-Study). Diabetes Res Clin Pract. 2018;139:147-154

  2. Ziegler D et al. Polyneuropathy is inadequately treated despite increasing symptom intensity in individuals with and without diabetes (PROTECT follow-up study). J Diabetes Investig 2020; 11: 1272–1277 (a).

  3. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2021

  4. Pop-Busui R et al. Diabetic Neuropathy: A Position Statement by the American Diabetes Association. Diabetes Care 2017;40(1):136-154

  5. Ziegler D, Keller J, Maier C, Pannek J. DDG Praxisempfehlungen. Diabetische Neuropathie. Diabetologie 2020; 15 (Suppl 1): S181–S195

  6. Thornalley PJ et al. High prevalence of low plasma thiamine concentration in diabetes linked to a marker of vascular disease. Diabetologia 2007; 50: 2164-2170

  7. Page GL, Laight D, Cummings MH. Thiamine deficiency in diabetes mellitus and the impact of thiamine replacement on glucose metabolism and vascular disease. Int J Clin Pract. 2011;65(6):684-90.

  8. Anwar A, Ahmed Azmi M, Siddiqui J, et al. Thiamine Level in Type I and Type II Diabetes Mellitus Patients: A Comparative Study Focusing on Hematological and Biochemical Evaluations. Cureus. 2020;12(5): e8027.

  9. Stracke H, Gaus W, Achenbach U, Federlin K, Bretzel RG. Benfotiamine in diabetic polyneuropathy (BENDIP): results of a randomised, double blind, placebo-controlled clinical study. Exp Clin Endocrinol Diabetes. 2008;116(10):600-5.

Bildunterschrift: Logo der NAI
Bildquelle: Nationale Aufklärungsinitiative "Diabetes! Hören Sie auf ihre Füße?"

zuletzt bearbeitet: 14.05.2021 nach oben

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