Das unabhängige Diabetes-Portal DiabSite

Home > Aktuelles > Diabetes-Nachrichten > Archive > 2026 > 260401

Millionenfache Herausforderung und eine zu selten angewandte Lösung

Pressemitteilung: Universität Vechta

Projekt RESTART an der Universität Vechta will bei (Prä-)Diabetes Bewegungsangebot nachhaltig in Regelversorgung integrieren

Prädiabetes: Blutbasierte epigenetische Marker ermöglichen präzisere Risikoabschätzung. Am 7. April 2026 ruft die Weltgesundheitsorganisation unter dem Motto "Together for health. Stand with science" zum Weltgesundheitstag auf. Ein sportwissenschaftliches Projekt an der Universität Vechta kümmert sich um eine der globalen Pandemien der Neuzeit. Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leben mit Typ-2-Diabetes, Millionen weitere mit Prädiabetes. RESTART setzt auf das, was Studien seit Jahren belegen und was im Versorgungsalltag trotzdem oft zu kurz kommt: ein achtmonatiges, wöchentliches und wissenschaftlich begleitetes Bewegungsprogramm speziell für Menschen mit Prä- oder Typ-2-Diabetes - in festen regionalen Gruppen, erweitert um digitale Tools.

Bewegung senkt den Blutzucker, verzögert Folgeerkrankungen und verbessert die Lebensqualität bei Typ-2-Diabetes. Das ist keine neue Erkenntnis, sondern in der gesamten Diabetesforschung vielfach belegt. Und trotzdem: Im deutschen Versorgungsalltag mündet dieser Befund bisher nicht in einem strukturierten, langfristigen Bewegungsangebot. Das Forschungsprojekt RESTART an der Universität Vechta setzt an genau dieser Lücke an. Im November 2025 starteten erste Pilotkurse im Nordwesten Niedersachsens. Das Besondere: acht Monate Laufzeit, wöchentliche Präsenzeinheiten in fester Gruppenstruktur, ergänzt durch kontinuierliche Glukosemessung, digitales Aktivitätstracking sowie eine wissenschaftliche Begleitung.

Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland haben Typ-2-Diabetes, Millionen weitere befinden sich im Stadium des Prädiabetes, einer Phase, in der eine Veränderung des Lebensstils die Erkrankung noch aufhalten oder verzögern kann. Empfehlungen für regelmäßige Bewegung gehören zum Standard jeder ärztlichen Leitlinie. Dabei ist die Zielgruppe besonders herausgefordert: Begleiterkrankungen, Erschöpfung, Unsicherheit im Umgang mit Sport und Blutzucker, alltägliche Mehrfachbelastungen. All dies erschwert es, aktiv zu werden und dauerhaft zu bleiben. RESTART ist deshalb von Beginn an als zielgruppenspezifisches Angebot konzipiert, das diese Lebensrealitäten ernst nimmt.

"Viele Kurzprogramme scheitern, weil Verhaltensänderung Zeit braucht. Wir sehen in der Arbeit mit unseren Teilnehmenden sehr deutlich, dass es sich um eine Gruppe handelt, die häufig mit mehreren Herausforderungen gleichzeitig zu tun hat. Genau deshalb braucht es ein Programm, das langfristig angelegt ist und die Menschen wirklich begleitet", erklärt Projektleiterin Professorin Dr. Iris Pahmeier aus dem Fach Sportwissenschaft der Universität Vechta.

Kern des Programms sind die wöchentlichen Bewegungseinheiten zu je 80 Minuten. Die Inhalte umfassen Kraft, Ausdauer, Koordination, Beweglichkeit und Gleichgewicht - letzteres ist bei Menschen mit Typ-2-Diabetes häufig eingeschränkt und ein relevanter Präventionsfaktor im Hinblick auf Sturzrisiko und Mobilität im Alter. Ergänzt wird das Gruppentraining durch digitale Elemente: Alle Teilnehmenden erhalten leihweise einen Activity-Tracker. Für acht Wochen können sie zusätzlich einen kontinuierlichen Glukosesensor nutzen. "Der Sensor zeigt in Echtzeit, was eine Trainingseinheit oder ein Spaziergang im Körper bewirken. Dieses Biofeedback macht Bewegung greifbar und wirkt motivierend", führt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Jacqueline Weiss aus. Hierfür werden diese Tools im Programm pädagogisch-didaktisch eingeführt und begleitet.

Für Gesundheits-Apps gibt es heutzutage eine Menge Alternativen. Was viele dieser Angebote aber nicht leisten können, ist die soziale Einbindung, verbindliche Struktur und das geteilte Erlebnis von Bewegung mit anderen Menschen: "Wir möchten zeigen, dass regelmäßige Bewegung nachhaltig funktioniert, wenn Menschen nicht allein damit sind. Die feste Gruppe gibt Orientierung, Motivation und Zugehörigkeit - das sind Faktoren, die kein Sensor der Welt ersetzen kann. Digitale Werkzeuge ergänzen das Programm sinnvoll. Aber sie sind nicht sein Kern", führt Weiss aus.

Genutzt werden im Programm wissenschaftlich erprobte Strategien zur Verhaltensänderung: Zielvereinbarungen, Selbstbeobachtung und regelmäßige Rückmeldungen - bekannt als Behavior Change Techniques - sollen sicherstellen, dass Bewegung nicht nur während des Kurses stattfindet, sondern sich im Alltag verankert. Medizinische, psychosoziale und motorische Daten werden erhoben, um die Intervention zu evaluieren und weiterzuentwickeln.

RESTART zeichnet sich darüber hinaus durch institutionelle Vernetzung aus: Universität, Sporteinrichtung und ärztliche Versorgung arbeiten hier fachübergreifend miteinander. Die ersten Interventionsgruppen haben die Hälfte der achtmonatigen Laufzeit erreicht. Die wissenschaftliche Auswertung steht noch aus, aber die ersten Rückmeldungen fallen sehr positiv aus, so die Zusammenfassung des Teams.

"Langfristiges Ziel des Projekts ist es, das Programm strukturell in die Regelversorgung zu integrieren - als Brücke zwischen diabetologischer Praxis, kommunalen Bewegungsanbietern und wissenschaftlicher Begleitung", skizziert Pahmeier. "In Deutschland gibt es bislang kein vergleichbares Langzeitprogramm für diese Zielgruppe."

Die aktuellen Pilotkurse sind ausgebucht. RESTART plant weitere Forschungsphasen ab Herbst 2026 in neuen Gruppen. Über die Zusammenarbeit mit weiteren Praxen in der Region freut sich das Team.

Bildunterschrift: Prädiabetes
Bildquelle: Monika Gause für www.diabsite.de.

zuletzt bearbeitet: 01.04.2026 nach oben

Unterstützer der DiabSite:

Professor Dr. Peter Bottermann

Prof. Peter Bottermann

Weitere Angebote:

Spendenaufruf Ukraine

Hilfeaufruf Ukraine

Zum Spendenaufruf für Menschen in der Ukraine.